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Türkei: Frauen protestieren landesweit für Frauenrechte und gegen Gewalt

6.8.2020 10:55 Uhr

Am Mittwochabend sind türkeiweit Frauen auf die Straßen gegangen, um für die Beibehaltung der Istanbuler Konventionen zu protestieren. Proteste fanden unter anderem in Istanbul, Izmir, Bursa, Mersin und vielen anderen Städten statt. In Izmir wurden 16 Frauen während des Protests festgenommen.

Protest in Istanbul (Bild: dha)

Die Proteste sind eine Reaktion auf Aussagen einzelner Abgeordneter der türkischen Regierung, man zöge in Betracht, sich von der Istanbuler Konvention zurückzuziehen. Die Konvention ist der internationale Vertrag gegen häusliche Gewalt und Diskriminierung. Einige Abgeordnete der AKP führten an, dass der Istanbuler Vertrag die familiären Werte untergraben würde. Auch innerhalb der Regierungspartei ist man sich bei diesem Thema nicht einig. So haben sich diverse AKP-Mitglieder wie die Abgeordnete Canan Kalsin gegen einen Rückzug aus dem Abkommen ausgesprochen. Das gilt ebenso für den Frauen- und Demokratieverband KADEM, in dem die Tochter des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, Sümeyye Erdogan Bayraktar, stellvertretende Vorsitzende ist. Hier wurde sich gegen einen Rückzug ausgesprochen.

In Istanbul durften die Frauen ohne Polizeiintervention protestieren (Bild: dha)

Proteste in Izmir

Bei dem Protest in Izmir versammelten sich Hunderte, wenn nicht Tausende Frauen, um gemeinsam zum Türkan-Saylan-Kulturzentrum zu marschieren. Sie trafen allerdings auf eine Polizeibarriere. Die Polizei soll nach vorliegenden Berichten und Videos die demonstrierende Frauen attackiert haben und verhaftete 16 Demonstrantinnen. Auf Videoaufnahmen, die während der Festnahmen aufgenommen wurden, war zu hören, wie ein vermeintlicher Polizeibeamter seine Kollegen dazu anhielt, "ihre Arme zu brechen".

Die Polizei griff den Protest in Izmir an (Bild: dha)

Die festgenommenen Frauen wurden später ins Krankenhaus zur Kontrolle gebracht. Die Demonstrantinnen, die auf dem Protest verblieben, begannen einen Sit-In mit der Forderung, die Festgenommenen unverzüglich freizulassen. Der Oberbürgermeister von Izmir, Tunc Soyer, teilte ein Posting auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und forderte ebenfalls, die Frauen gehen zu lassen.

Sit-in in Izmir (Bild: dha)

Tausende Frauen in Kadiköy

Bei dem Protest in Kadiköy blieb es friedlich. Die Frauen verlasen ihre Pressemitteilung und beendeten den Protest mit Liedern und gemeinsamen Tänzen.

Eine Demonstrantin sagte der Demirören Nachrichtenagentur: "Wir sind wütend. Wir kommen hier hin, um nicht zu sterben. So viele Frauen versammeln sich hier, um zu flehen, uns nicht mehr umzubringen."

Tausende kamen in Kadiköy zusammen (Bild: dha)
(be)

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