DHA

Türkei: Forschungsschiff “Oruc Reis” ankert weiter vor Antalya

27.7.2020 13:16 Uhr

Zwei Nato-Partner, die Türkei und Griechenland, beanspruchen Erdgasvorkommen vor der griechischen Insel Kastelorizo für sich. Aus beiden Ländern waren vergangene Woche Kriegsschiffe in die Region unterwegs – bis sich Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Berlin einschaltete. Nun deeskaliert die Türkei und lässt das Explorationsschiff Oruc Reis zumindest vorerst weiter vor Antalya ankern.

Die Krise zwischen den Nachbarländern sowie Nato-Partnern Türkei und Griechenland scheint zumindest vorerst entschärft zu sein. Das Forschungsschiff "Oruc Reis", das eigentlich vor Kastelorizo nach Erdgas suchen sollte, liegt weiter vor Antalya und ankert dort. Unterstützt und abgesichert von Kriegsschiffen, die sich von Aksaz auf den Weg in die Region machten, war die Erdgassuche "beschlossene Sache". Doch auch Griechenland, das sein Veto gegen die Erdgassuche der Türkei einlegte, schickte die eigene Kriegsmarine los.

Eine kritische Situation. Selbst die USA scheinen die Situation mit Sorge zu betrachten. Die USS Dwight D. Eisenhower, ein Flugzeugträger der Nimitz-Klasse, ist mit zwölf schweren Kriegsschiffen als Geleit in die Region via Suezkanal unterwegs, um gemeinsam mit Griechenland zehntägige Militärübungen vor Kreta in der Ägäis abzuhalten.

Kann Merkel den Mittelmeer-Streit beilegen?

Am Samstag schien man zuerst auf Eskalationskurs, als die türkische Botschaft aus Washington via Twitter vermeldete, das Explorationsschiff "Oruc Reis" hätte mit seiner Arbeit vor Kastelorizo begonnen. Doch wenige Stunden später war der Tweet verschwunden und es wurde deutlich, dass das Schiff weiter vor Antalya lag. Auch die Kriegsschiffe der Türkei hatten sich zurückgezogen, während es Videos gibt, dass sich die griechische Marine weiterhin vor Ort aufhält. Diesmal waren es nicht wie 1996 in der Imia-Krise die USA, welche den Sinneswandel herbeiführten, sondern Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Kanzlerin sprach mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dem griechischen Premier Kyriakos Mitsotakis. Als Ergebnis, so scheint es, wurde die "Oruc Reis" vorerst vor Anker gehalten. Zwischen Griechenland, Zypern und der Türkei besteht seit Jahren ein Streit um das Mittelmeer als Wirtschaftszone. Dabei wird die UN-Seerechtskonvention seitens der Türkei nicht anerkannt, auf die sich Zypern und Griechenland stützen. EU und die USA fahren in der Frage eine einheitliche Linie und weisen die türkischen Ansprüche auf das Gebiet als völkerrechtswidrig zurück. Ist Kanzlerin Merkel nun der Durchbruch gelungen? Deutschland hält derzeit die EU-Ratspräsidentschaft bis Januar 2021. Genug Zeit, um möglicherweise die Erweiterung der Zollunion für die Türkei durchzubekommen. Gerade im wirtschaftlichen Fallout der Corona-Krise ein wichtiges Element, um die Wirtschaft wieder zu befeuern.

(ce)

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