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Türkei fordert Rücknahme der Reisewarnung von Deutschland

12.6.2020 14:20 Uhr

Das Außenministerium der Türkei in Ankara fordert von der Bundesregierung in Berlin laut des Nachrichtenmagazins "Spiegel", dass die Reisewarnung für das Land zeitnah in einen Reisehinweis gewandelt und die Warnung aufgehoben wird. Wie der "Spiegel" berichtet, äußerte sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu in entsprechender Weise gegenüber dem Blatt.

Die Türkei ist das drittbeliebteste Auslandsreiseziel der Deutschen. Rund fünf Millionen Besucherinnen und Besucher verbrachten im Jahr 2019 ihren Urlaub am Mittelmeer, an der Ägäis oder am Bosporus. Wenn es nach der Türkei geht, soll das auch in diesem Jahr so ein – trotz Coronavirus und Covid-19. Dem stand zuerst das Einreiseverbot für Deutsche im Wege, welches von Ankara gekippt wurde. Nun gilt jedoch von deutscher Seite weiterhin für die Türkei eine Reisewarnung – kein Reiseverbot, wie Außenminister Heiko Maas von der SPD ausdrücklich betonte. Doch auch die Warnung, die natürlich einen psychologischen Effekt hat, würde die Türkei gerne aufgehoben sehen.

Türkei bestens auf Gäste vorbereitet

So soll sich der türkische Außenminister nach Informationen des "Spiegel" dahingehend geäußert haben, dass sich die türkische Regierung "enttäuscht" zeige, nachdem die Warnung nicht wie für die EU-Staaten aufgehoben wurde. Er sagte, dass die wissenschaftlichen Gründe, die für die Beibehaltung der Reisewarnung zu Grunde lagen, nicht nachvollziehbar seien. Die Türkei würde erwarten, dass Deutschland die Reisewarnung gegenüber der Türkei "frühestmöglich" zurücknehme. Die Türkei sei, so betonte das türkische Außenministerium, bereit dafür, Urlauber in einer sicheren Umgebung zu empfangen und auch der TÜV Süd sei involviert.

Das stieß bis zuletzt auf taube Ohren in Berlin. Der "Spiegel" sagt, seitens des Außenministeriums in Berlin würde man an den Zahlen zweifeln, welche aus der Türkei bekannt gegeben wurden. Hohe Zahlen bei den Neuinfektionen seien mit einer Lockerung unvereinbar, so kommunizierte es wohl Berlin. Ankara hingegen zeige sich bemüht, alle Bedenken aus dem deutschen Außenministerium zu zerstreuen. Sogar ein Labor habe man am Flughafen in Istanbul eingerichtet, es würde Wärmebildkameras geben, welche die Körpertemperatur auf Auffälligkeiten prüfen und es bestünde die Option auf Schnelltests an den Airports der Türkei. Zudem habe man mit der teilstaatlichen Fluggesellschaft Turkish Airlines THY vereinbart, dass Corona-Patienten nicht in der Türkei bleiben müssten. THY wird im hinteren Bereich der Flieger Sitzreihen blockieren, auf denen Menschen, die mit Covid-19 infiziert seien, auch wieder nach Deutschland geflogen würden. Trotzdem scheint das Auswärtige Amt noch nicht überzeugt zu sein.

Thoams Bareiß als Fürsprecher für Aufhebung

Beide Regierungen sind jedoch weiterhin in Gesprächen. So fand wohl das Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bereits statt und auch Maas und sein Gegenüber Cavusoglu scheinen sich regelmäßig auszutauschen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat dem "Spiegel" gegenüber nochmals betont, dass die Türkei alles Erdenkliche und Machbare für die Gäste unternimmt. Vom Reisebeginn, über den Aufenthalt im Land und bis zum Reiseende habe man alles unternommen, die bestmögliche Hygienestandards in Bezug auf das Coronavirus umzusetzen. Sämtliche türkischen Einrichtungen seien perfekt vorbereitet, die Gäste aus Deutschland zu empfangen.

Und auch in der Regierung findet die Türkei als Urlaubs-Destination Fürsprecher – den Tourismusbeauftragten Thomas Bareiß von der CDU. Er sagte, man solle Länder, in denen es positive Entwicklungen gibt und welche Hygienemaßnahmen strikt umsetzen, von der Reisewarnung freistellen. Täte man das nicht, bekäme man Probleme damit, solche Aufrechthaltungen in die Bevölkerung glaubwürdig zu kommunizieren. Das betrifft natürlich in besonderem Maße die Türkei. Immerhin leben in Deutschland rund drei Millionen Menschen, die türkische Wurzeln haben und ihre Familien sehen wollen – wie in jedem Sommer.

(ce)

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