dha

Türkei fordert Flugverbotszone

28.2.2020 12:50 Uhr

Nach dem Tod türkischer Soldaten durch einen Luftangriff in Nordsyrien fordert die Türkei eine Flugverbotszone. "Die internationale Gemeinschaft muss handeln, um Zivilisten zu schützen und eine Flugverbotszone einrichten", schrieb der Kommunikationsdirektor von Präsident Recep Tayyip Erdogan, Fahrettin Altun, am Freitag auf Twitter.

In der Nacht waren bei einem syrischen Luftangriff in der Region Idlib mindestens 33 türkische Soldaten getötet und 36 weitere verletzt worden. Die Türkei unterhält nach einem Abkommen mit Russland als Schutzmacht Syriens in der letzten großen Rebellenhochburg Beobachtungsposten. Eigentlich sollte dort in einer Deeskalationszone eine Waffenruhe gelten. Die wurde jedoch mehrfach gebrochen.

Versuche, die Waffenruhe durchzusetzen

Die Türkei unterstützt in dem Konflikt islamistische Rebellen. Sie versucht aber auch, die Waffenruhe wieder durchzusetzen. Hauptgrund ist die Furcht vor einer neuen Migrationswelle. Hunderttausende Menschen fliehen in der Region derzeit vor den eskalierenden Angriffen. Die humanitäre Lage ist dramatisch. Die Türkei beherbergt bereits Millionen Flüchtlinge. Altun forderte erneut den Beistand der internationalen Gemeinschaft. "Millionen Zivilisten werden seit Monaten aus der Luft bombardiert. Infrastruktur, inklusive Schulen und Krankenhäuser, werden systematisch angegriffen", schrieb er. Ein Genozid geschehe vor aller Augen. Menschen mit einem Gewissen müssten sich zu Wort melden, so Altun.

Altun betonte, dass die Türkei sich nicht zurückziehen werde. "Jeder, der denkt, dass wir vor unseren Verpflichtungen und Vereinbarungen zurückscheuen, irrt sich gründlich." Eine Flugverbotszone hatte in der Nacht schon der einflussreiche US-Senator Lindsey Graham gefordert. Das Problem mit Flugverbotszonen ist, dass diese notfalls auch militärisch - in diesem Fall gegen Syrien und Russland - durchgesetzt werden müssten. Die Türkei hat ebenso um Nato-Beistand gebeten. Am Freitag kommt deshalb der Nordatlantikrat zu einem Sondertreffen zusammen.

"Keine bewaffneten Gruppen in der Nähe unserer Truppen"

Die bei einem Luftangriff in der nordsyrischen Provinz Idlib getöteten türkischen Soldaten waren nach russischen Angaben zum Zeitpunkt des Angriffs mit der Al-Kaida-nahen islamistischen Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) unterwegs. Die Rebellen hätten in der Nacht auf Freitag eine großangelegte Offensive auf syrische Regierungstruppen versucht, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau am Freitag mit. "Dabei sind auch türkische Militärangehörige, die sich unter den Kampfeinheiten der terroristischen Gruppen befanden, unter Beschuss der syrischen Soldaten gekommen", hieß es.

Die Türkei wies das umgehend zurück. "Ich möchte klarstellen, dass während dieses Angriffs keine bewaffneten Gruppen in der Nähe unserer Truppen waren", sagte Verteidigungsminister Hulusi Akar am Freitag der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

Beschuss auf Ambulanzen

Aus Moskau hieß es, die türkische Seite habe die Präsenz ihrer Truppen in den betreffenden Gebieten nicht mitgeteilt. Sie "hätten sich nicht dort aufhalten dürfen". Akar bestritt das. Die Stellungen der türkischen Truppen seien zuvor mit Russland koordiniert worden, sagte er. "Obwohl nach dem ersten Beschuss wiederholt eine Warnung abgegeben wurde, wurde der Angriff leider fortgesetzt. Bei diesen Luftangriffen wurden sogar Ambulanzen beschossen."

Aus Moskau hieß es, es seien bei dem Angriff keine Kampfflugzeuge des russischen Militärs eingesetzt worden.

(be/dpa)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.