dpa

Türkei: Deniz Yücel zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt

16.7.2020 15:05 Uhr

Ein Gericht in Istanbul hat den "Welt"-Journalisten Deniz Yücel in Abwesenheit wegen Propaganda für die verbotene PKK zu zwei Jahren, neun Monaten und 22 Tagen Haft verurteilt. Yücel wurde nach einer Krise zwischen Deutschland und der Türkei im Februar 2018 aus der Untersuchungshaft entlassen, nachdem der damalige Außenminister Sigmar Gabriel interveniert hatte.

Vom Vorwurf der Volksverhetzung und der Propaganda für die Gülen-Bewegung sei Yücel freigesprochen worden, sagte sein Anwalt, Veysel Ok, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Wie berichtet wird, hat Deniz Yücel die Vorgänge im Gerichtssaal in einem Newsroom der "Welt" im Beisein von Ulf Poschardt, seit Herbst 2016 Chefredakteur der "Welt"-Gruppe, verfolgt.

Veysel Ok, Anwalt von Deniz Yücel, will in Berufung gehen

Im Vorfeld des Urteils gab es bereits ein Urteil des Verfassungsgerichtes der Türkei. Dort war seitens der Richter einstimmig beschlossen worden, dass die Festnahme und Untersuchungshaft des Welt-Journalisten "rechtswidrig war und das Recht auf persönliche Sicherheit und Freiheit wie auch das Recht auf Meinungsfreiheit verletzt wurden". Darüber hinaus wurde bemängelt, dass es in Bezug auf die Artikel von Yücel zu fehlerhaften Übersetzungen ins Türkische gekommen sei. Yücel wurde damals ein Schmerzensgeld von 3800 Euro zugesprochen.

Veysel Ok, der Rechtsanwalt von "Welt"-Journalist Deniz Yücel, hat bereits angekündigt, Berufung gegen das Urteil einzulegen, welches noch keine Rechtskraft besitzt. "Wir akzeptieren dieses Urteil nicht", wird Ok zitiert. Zudem sollen laut Gerichtsprotokoll zwei weitere und noch laufende Ermittlungsverfahren gegen Yücel in der Türkei anhängig sein. Es wird ihm "Beleidigung des Präsidenten und des türkischen Staates" vorgeworfen. Das teilte Veysel Ok ebenso der Presse mit.

Zuletzt aktualisiert mit Berufungsankündigung: 7/16/2020 15:33

(ce/dpa)

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