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Türkei: “Demokratie- und Freiheits”-Insel in Istanbul eingeweiht

27.5.2020 22:08 Uhr

Die heutige "Demokratie- und Freiheits"-Insel vor Istanbul in der Türkei ist ein geschichtsträchtiges Stückchen Land. Yassiada – Plati im Griechischen – galt bei den Byzantinern im damaligen Konstantinopel als Verbannungsort. Auf ihr fanden nach dem Militärputsch in den 1960er Jahren Verfahren statt, in deren Folge Premierminister Adnan Menderes zum Tode verurteilt wurde. Und heute, am 27. Mai 2020, wurde sie von Präsident Recep Tayyip Erdogan anlässlich des 60. Jahrestages des Staatsstreichs in der Türkei ihrem neuen Bestimmungsziel übergeben – als Museum und Mahnmal der Zeitgeschichte.


"Yassiada, die Heimat einer der dunkelsten Perioden in der Geschichte der Demokratie, wird als Insel der Demokratie und der Freiheiten wiedergeboren", sagte die türkische Kommunikationsdirektion am 26. Mai in einer öffentlichen Ankündigung. Yassiada, eine der Prinzeninseln im Marmarameer südöstlich von Istanbul, ist bekannt als Gefängnisinsel und die Gerichtsverfahren nach dem Militärputsch von 1960. Auf der Insel wurden der erste demokratisch gewählte türkische Premierminister Adnan Menderes sowie führende Mitglieder der Demokratischen Partei (DP) nach dem Putsch vom 27. Mai 1960 festgenommen, später inhaftiert und vor Gericht gestellt.

"Vor 60 Jahren erlebte die Türkei mit dem Staatsstreich vom 27. Mai 1960 einen der dunkelsten Tage ihrer Geschichte", sagte Präsident Erdoan während der Einweihungsfeier. Er sprach über die Prozesse auf der Insel und sagte, es sei kein Prozess, sondern ein "Mord an dem Gesetz" gewesen, der in Yassiada stattfand. "Nicht nur (der verstorbene Premierminister Adnan) Menderes, seine Adjutanten wurden in Yasssiada vor Gericht gestellt, sondern auch die türkische Geschichte, die Kultur, die Werte, die Überzeugungen", sagte er. Parlamentssprecher Mustafa Sentop und der Vorsitzende der MHP, Devlet Bahceli, Vizepräsident Fuat Oktay, der Präsident des Verfassungsgerichts Zühtü Arslan, Präsidentensprecher Ibrahim Kalin, andere Bürokraten, Politiker, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und Anwaltskammern nahmen ebenfalls an der Einweihungsfeier teil.


"Hier (in Yassiada) wurde nicht nur die Zeit von 1950 bis 1960 vor Gericht gestellt, sondern auch die Wertschätzung und Präferenzen unserer Nation, die der einzige Eigentümer von Willen und Souveränität ist, wurden ebenfalls in Frage gestellt", sagte Bahceli während seiner Rede bei der Zeremonie. Er fügte hinzu, dass die Gründer der Gerichte in Yassiada "Demokratie und Freiheiten im Trockenen sitzen ließen". Der Sprecher des Parlaments, Sentop, sagte, das neue Gesicht von Yassiada sei keine gewöhnliche Rekonstruktions- oder Landschaftsarbeit, sondern eine "historische Konfrontation und ein neuer Anfang. Auf der Grundlage jedes Gebäudes, das wir auf dieser Insel sehen, gibt es den Willen unserer Nation für Freiheit, Widerstand gegen Staatsstreiche und die Entschlossenheit, die verfassungsmäßige Ordnung zu verteidigen."

Die Hauptursache für jeden Militärputsch in unserem Land sei, die Türkei daran zu hindern, Zugang zu der Macht zu erhalten, unabhängige Politiken zu entwickeln, sagte er. "Diese Insel, auf der wir heute zusammenkommen und die wir in ihrer neuen Form besuchen, ist Schauplatz des politischen und gerichtlichen Mordes, der vor 60 Jahren begangen wurde", betonte er. Yassiada diente ab dem neunten Jahrhundert n. Chr, nachdem sie vorher "nur" eine Verbannungsinsel war, als Gefängnisinsel. Gefängniszellen aus der alten Zeit stehen heute noch. Später wurde die Insel zu einem Kloster umfunktioniert, war dann auch in Privatbesitz. Auf ihr wurden Marinemitglieder der Türkei dort ausgebildet und die Universität von Istanbul betrieb dort Wasserstudien. Seit 1995 ist das Eiland unbewohnt und ungenutzt.

(ce)

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