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Türkei: Aufschrei nach Frauenmord in Istanbul

30.12.2020 11:22 Uhr

Am Dienstag kam es in Istanbul zu einem grausigen Frauenmord: die Akademikerin Aylin Sözer wurde von ihrem angeblichen Ex-Freund auf brutalste Art und Weise getötet: erst durchschnitt der mutmaßliche Mörder Kemal Delbe Sözer die Kehle des Opfers und steckte sie im Anschluss in Brand, berichtet die Demirören Nachrichtenagentur (DHA).

Nachdem ihre Geschwister Aylin Sözer am Dienstag nicht erreichen konnten, riefen sie die Polizei. Zwei Tage lang soll der Verdächtige die Frau als Geisel gehalten haben, berichtet die Tageszeitung Hürriyet.

Der mutmaßliche Mörder konnte in Gewahrsam genommen werden (Bild: dha)

Nachdem die Polizei die Wohnung der Getöteten am Dienstagmittag erreichte, merkte sie schnell, dass sich jemand in der Wohnung aufhielt. Der Verdächtige verbarrikadierte sich in der Wohnung, sodass die Einsatzkräfte mit Hilfe eines Schlossers in die Wohnung eindringen mussten. Der mutmaßliche Mörder hatte währenddessen versucht, die Wohnung in Brand zu stecken. Der Mann griff daraufhin die Sicherheitsbeamten an und warf eine brennbare Flüssigkeit auf sie. Ein Polizist verletzte sich dabei an der Hand. Nachdem der Mann überwältigt werden konnte, fanden die Polizisten Schmuckstücke der Getöteten sowie brennbare Materialien am Körper des Mannes.

Aufschrei in den sozialen Medien

Am gleichen Tag wurden in der Türkei drei weitere Frauen, Betül Tugluk, Selda Tas und Vesile Dönmez, von Männern ermordet. Selda Tas, 38 Jahre alt und Mutter von drei Kindern, wurde dabei von ihrem eifersüchtigen Ehemann, der vermutlich unter Drogeneinfluss stand, erschossen und Vesile Dönmez wurde von ihrem eigenen Sohn zuerst als Geisel gehalten und danach mit einer Schrotflinte ermordet, als die Polizei die Geiselnahme beenden wollte. Auch die 48-jährige Betül Tugluk wurde von ihrem 25-jährigen Sohn ermordet, der bei ihr lebte. Der Sohn Berk soll psychische Auffälligkeiten gezeigt haben und erstach seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung. Damit steigt die Zahl der Frauen, die in diesem Jahr ermordet wurden, auf 383, wie die Plattform "We will stop femicide" mitteilte.

Verschiedene Regierungsoffizielle haben die Tat aufs Schärfste verurteilt. Der Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, erklärte: "Wir müssen diese Femizide stoppen. Wir müssen dieser archaischen Mentalität ein Ende setzen. Wir sind dazu bereit, alles zu unterstützen, was Femizide zu einem Ende bringt." Es wird erwartet, dass am heutigen Mittwoch in zahlreichen Städten Frauen auf die Straßen gehen werden, um gegen Femizide und Gewalt gegen Frauen zu protestieren.

Zuletzt aktualisiert mit dem Mord an Betül Tugluk: 12/30/2020 17:48

(be)

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