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Türkei: 155 Jahre alte Quarantäneinsel vor Izmir wird restauriert

17.5.2020 20:04 Uhr

Eine 155 Jahre alte Quarantäneinsel vor Izmir soll im Nachgang zum Coronavirus und Covid-19 restauriert werden – zur Anschauung, wie früh die Türkei bereits den Isolationsgedanken bei Krankheiten pflegte. Es wurde eine Ausschreibung für die Restaurierung von 16 Gebäuden auf der "Quarantäneinsel" formuliert und weitergeleitet. Die Insel vor Izmir in der Region Urla in der Türkei an der Ägäis-Küste ist eine von drei weltweit registrierten Quarantäneinseln. Die 323.000 Quadratmeter große Insel wurde vor 155 Jahren inmitten einer Epidemie in ein Quarantänezentrum umgewandelt.

Die Quarantäneinsel, die seit dem Ende der Epidemie vor 155 Jahren verlassen war, hat kürzlich in der Türkei erneut Aufmerksamkeit erregt. Grund war der Kampf des Landes gegen die Pandemie des Coronavirus und Covid-19, welche die ganze Welt im Würgegriff gehalten hat. Die Generaldirektion Gesundheit der Grenz- und Küsten-Regionen, die das Recht hat, die Insel zu nutzen, hat eine Ausschreibung für die Restaurierung der 16 Gebäude auf der Insel zu einem Zeitpunkt eröffnet, als Quarantänen wegen Covid-19 zur neuen Normalität geworden sind. Die am 8. Mai genehmigte und am 13. Mai angekündigte Restaurierungsausschreibung findet am 16. Juni statt.

Virus-Hightech in der Türkei vor 155 Jahren

Zusammen mit den 14 anderen Gebäuden, vor allem dem "Großen Isolations-Pavillon“ und dem "Kleinen Isolations-Pavillon“ auf der Insel, einer archäologischen Stätte ersten Grades, wird der Ankündigung zufolge der ursprüngliche Zustand als Quarantäneinsel wiederhergestellt. Die Quarantänestation wurde vor mehr als 150 Jahren gebaut und war zwischen 1865 und 1950 in Betrieb. Sie wurde in der osmanischen Zeit von französischen Seeleuten und Passagieren als Hin- und Rückstation von und nach Izmir genutzt.

Es war zu dieser Zeit eines der führenden Gesundheitszentren, in welchen Krankheiten wie Pest und Typhus behandelt werden sollten. Die modernsten Materialien der Epoche, die in der Quarantäneeinrichtung von Urla verwendet wurden, sind noch erhalten. Darunter sind Sterilisationsmaterialien, ein Eisenbahnsystem, das von Kranken im Hafen verwendet wird, Desinfektionskessel und Duschkabinen. Als das Zentrum noch in Betrieb war, ankerten Schiffe aus dem Ausland eine Meile vor der Küste und ein Arzt, der Direktor der Station und ein Registrierungsdirektor gingen zum wartenden Schiff, um die Passagiere zu registrieren.

Pandemie-Museum aus alten Zeiten

Diejenigen, bei denen eine ansteckende Krankheit festgestellt wurde, wurden zu getrennten Booten gebracht und in Patientenzimmern, sogenannten "Isolations-Pavillons", untergebracht. Durch ein speziell gebautes Schienensystem wurden die Sachen der Passagiere zu den Sterilisationsabschnitten der Quarantänestation gebracht, während die Passagiere auch zu einem Duschbereich mit neuen Handtüchern, Lendenschurz und Clogs gebracht wurden. Ihre kontaminierte Kleidung wurde in der Sterilisationseinheit desinfiziert. Nach dem Duschen wurden sie an besonderen Orten untergebracht, wo sie Essen und Trinken erhielten. Als nächstes mussten sie sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Wenn niemand auf dem Schiff krank war, durften die Passagiere nach einer Untersuchung abreisen.

Wenn jedoch auch nur ein Passagier krank war, wurden alle Passagiere in Gästehäusern isoliert, bis es dem Patienten besser ging oder er starb, wobei die Gesundheit der anderen Passagiere ständig überwacht wurde. Die Umwandlung der Insel in ein Museum vor einigen Jahren wurde diskutiert, aber es wurden keine Schritte in diese Richtung unternommen - bis die Pandemie begann und auch das Interesse am Umgang mit Epidemien in der Vergangenheit wuchs.

(ce)

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