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Tsunami in Indonesien: Opferzahl steigt weiter

24.12.2018 19:22 Uhr

Helfer können erst jetzt viele Teile der zerstörten Gebiete erreichen. Die Opferzahl ist mittlerweile auf 373 Menschen gestiegen. Über 1500 wurden verletzt, 128 vermisst, wie der Katastrophenschutz mitteilte.

Die Zahl der Toten stieg, während die Retter unermüdlich die vom Tsunami betroffenen Küstengebiete absuchten. "Einige der Gebiete waren schwierig zu erreichen", sagte der Sprecher der Katastrophenschutzbehörde, Sutopo Nugroho. Dank des Einsatzes von schwerem Bergegerät seien diese nun zugänglich gemacht worden. "Wir haben mehr Opfer gefunden", sagte er.

Unterdessen kehrten Tausende Menschen in ihre Häuser zurück. Viele hatten sich aufgrund von Gerüchten über einen weiteren Tsunami in Notunterkünfte geflüchtet.

Tausende Soldaten in den Katastrophengebiete

Indonesien schickte für die Suche nach weiteren Opfern und Überlebenden Tausende Soldaten und Polizisten in die Katastrophengebiete an den Küsten von Java und Sumatra. Auch Freiwillige von Organisationen wie dem Roten Kreuz und Ärzte ohne Grenzen halfen bei der Versorgung der Menschen in den besonders betroffenen Provinzen Lampung im Süden Sumatras und Banten auf Westjava.

Die Kinderhilfsorganisation World Vision bereitet sich ebenfalls auf einen Einsatz vor. Kinder seien besonders betroffen, sagte World-Vision-Expertin Bevita Dwi. Viele hätten Angehörige verloren und seien traumatisiert. Das katholische Hilfswerk Misereor kündigte rasche finanzielle Unterstützung für Partnerorganisationen in Indonesien an.

Eruption indirekt verantwortlich für Tsunami

Die indonesische Agentur für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik (BMKG) bestätigte am Montag, dass eine Eruption des in der Sundastraße rund 50 Kilometer von der Küste entfernten Vulkans Anak Krakatau den Tsunami indirekt ausgelöst habe. Demnach kam es zu einer Kettenreaktion, an deren Anfang eine vulkanische Erschütterung stand, die einem Erdbeben der Stärke 3,4 gleichkam.

Die von den Behörden aufgezeichnete Erschütterung habe zu einem Teilkollaps des Kraters geführt, wobei Gesteinsmassen ins Meer gerutscht seien. Dies habe dann den Tsunami ausgelöst, erklärte die Chefin der Agentur, Dwikorita Karnawati, vor Journalisten.

Die Eruption ereignete sich der Agentur zufolge am Samstagabend um 21.03 Uhr Ortszeit (15.03 Uhr MEZ), 24 Minuten später sei der Tsunami auf Land getroffen. Die Flutwelle kam ohne Vorwarnung und traf auf Urlaubsresorts, die wegen der Nähe zur indonesischen Hauptstadt Jakarta bei Einheimischen beliebt sind und kurz vor dem Jahreswechsel gut besucht waren.

Frühwarnsystem hat versagt

Das Frühwarnsystem habe nicht gegriffen, weil es nur auf Erdbeben - und nicht auf Unterwasser-Erdrutsche oder Vulkanausbrüche - ausgerichtet sei, schrieb Katastrophenschutz-Sprecher Nugroho auf Twitter.

Es habe eine Warnung gegeben, aber lediglich vor hoher Flut und nicht vor einem Tsunami, sagte eine Sprecherin der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften (IFRC) der Deutschen Presse-Agentur. Sie sprach von Tsunami-Wellen mit einer Höhe von 30 bis 90 Zentimetern, die verstärkt durch die hohe Flut im Zuge des Vollmondes auf die Küsten getroffen seien. "Das klingt nicht nach viel (...), doch wir wissen, dass selbst knöchelhohes Wasser einen Erwachsenen umhauen kann".

Keine deutschen Staatsbürger unter den Opfern

Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es am Montag, dass nach bisherigen Erkenntnissen weiterhin keine deutschen Staatsbürger unter den Opfern seien. Ein Sprecher des Touristikkonzerns Tui hatte am Sonntag gesagt, das Unternehmen habe in der Region keine Gäste. Wichtigstes Ziel in Indonesien sei die Insel Bali weiter im Westen. Auch von Alltours hieß es, dass sich keine Gäste in dem Tsunami-Gebiet befänden.

(be/dpa)