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Trumpsche Kehrtwende: Türkeigeschäft soll intensiviert werden

15.1.2019 14:50 Uhr

Das Motto des TV-Formats Big Brother, das in den USA auf CBS läuft, lautet: "Expect the Unexpected". Das könnte auch für den Twitteraccount von US-Präsident Donald Trump gelten. Drohte er der Türkei noch am Sonntagabend via Twitter vollmundig an, im Falle eines Angriffs auf kurdische Milizen in Syrien, die von den USA unterstützt werden, würde er das Land wirtschaftlich zerstören, folgte am Montag das große Rückwärtsrudern. Nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan tweetete Trump, die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und der Türkei böte "großes Potenzial für einen deutlichen Ausbau".

Am Sonntagabend noch drohte US-Präsident Donald Trump der Türkei mit "wirtschaftlicher Zerstörung" - keine 24 Stunden später will er die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Ankara ausbauen.

Tweet von Donald Trump

Am Montagabend (Ortszeit) twitterte Trump nach einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, man habe auch über die wirtschaftliche Entwicklung beider Länder gesprochen - "großes Potenzial für einen deutlichen Ausbau!" Tags zuvor hatte er der Türkei im Falle eines Angriffs auf Kurden in Syrien allerdings noch mit "wirtschaftlicher Zerstörung" gedroht und damit scharfe Kritik in Ankara ausgelöst.

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu hatte am Montag betont, sein Land werde sich Drohungen nicht beugen. Erdoğan hatte im abgelaufenen Jahr eine Offensive gegen die kurdische YPG in Nordsyrien angekündigt - einem wichtigen Verbündeten der USA im Kampf gegen den Islamischen Staat. Dennoch hatte Trump vor Weihnachten verkündet, er werde die US-Truppen aus Syrien abziehen. Das hatte erhebliche Sorgen über das Schicksal der Kurden auch in Trumps eigener Regierung und bei seinen Republikanern hervorgerufen.

In dem Telefonat am Montag betonte Trump nach Angaben des Weißen Hauses, den USA sei es wichtig, dass die Türkei die Kurden und die von der YPG kontrollierten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) nicht "schlecht behandelt". Trump twitterte, man habe auch über eine Sicherheitszone von 32 Kilometern gesprochen.

Die Sicherheitszone soll kommen

Die von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene "Sicherheitszone" in Nordsyrien soll nach Angaben des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdoğan von der Türkei umgesetzt werden. Erdoğan sagte am Dienstag vor Abgeordneten seiner Partei in Ankara, es sei eine Vereinbarung von "historischer Bedeutung" zwischen ihm und Trump erreicht worden. Demnach soll die Türkei eine 30 Kilometer breite "Sicherheitszone" an der türkischen Grenze errichten.

Trump hatte am Sonntag eine solche "Sicherheitszone" ins Gespräch gebracht, sich aber weder dazu geäußert, wo sie geschaffen, noch von wem sie durchgesetzt werden soll. Die Türkei zeigte sich am Montag offen für Trumps Vorschlag, reagierte jedoch empört auf dessen Drohung, die USA würden "die Türkei wirtschaftlich zerstören, wenn sie die Kurden attackiert". Ankara kündigte daraufhin an, den "Kampf gegen den Terrorismus" entschlossen fortzuführen.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Montag bei einem Besuch in Riad, die USA seien mit verschiedenen Seiten im Gespräch über eine "Sicherheitszone", die sowohl die Türkei als auch die Kurden schützen solle. Am Abend dann telefonierte Erdoğan mit Trump. Anschließend hieß es aus Ankara, die Präsidenten hätten über eine "vom Terrorismus befreite" Zone gesprochen und vereinbart, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu "vertiefen".

(ce/afp/dpa)

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