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Trumps Ex-Anwalt Cohen: Trump ist ein Rassist und Betrüger

27.2.2019 8:51 Uhr

Ob sich Präsident Trump heute auf sein Treffen mit Kim Jong Un konzentrieren kann? Schließlich sagt sein Ex-Anwalt vor dem US-Kongress aus und könnte dabei so richtig "auspacken".

Der Ex-Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen, will den US-Präsidenten bei seiner Aussage vor dem Kongress als Rassisten und Betrüger bezeichnen und dafür auch Belege liefern. Das geht aus Cohens vorbereiteter Eingangserklärung hervor, die vom US-Portal Politico.com in der Nacht zu Mittwoch veröffentlicht wurde.

Demnach will Cohen über Trump sagen: "Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger." In Cohens Statement heißt es zudem, Trump habe vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst.

Es wird erwartet, dass der 52-Jährige dabei Vorwürfe gegen seinen früheren Chef bekräftigen wird. Cohen, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Trump selbst kann die - für ihn voraussichtlich unbequeme - Aussage seines früheren Vertrauten nur aus der Ferne verfolgen: Der Präsident ist derzeit für ein Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un in Vietnam.

Erste Anhörung bereits hinter verschlossenen Türen

Cohen sagt in dieser Woche in mehreren Anhörungen vor dem US-Kongress aus. Am Dienstag hatte er sich hinter verschlossenen Türen vor dem Geheimdienstausschuss des Senats geäußert. Am Donnerstag ist eine nicht-öffentliche Anhörung vor dem Geheimdienstausschuss der anderen Kongresskammer, des Repräsentantenhauses, geplant. Besonders viel Aufmerksamkeit richtet sich aber auf seine öffentliche Aussage an diesem Mittwoch vor dem Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses. Die Sitzung beginnt um 16.00 Uhr deutscher Zeit (10.00 Uhr Ortszeit).

Cohen sagte am Dienstagabend (Ortszeit) nach seinem ersten Auftritt hinter verschlossenen Türen, er freue sich auf die öffentliche Anhörung am Mittwoch. Es sei dann an der Öffentlichkeit, selbst zu entscheiden, wer die Wahrheit sage.

Seit 2006 für Trump tätig

Cohen hatte 2006 bei der Trump-Organisation angefangen, zuletzt war er dort Vizepräsident. Der 52-Jährige wurde oft als Trumps "Ausputzer" beschrieben. Aber er hat sich von seinem früheren Boss abgewendet und ihn mehr als einmal in Bedrängnis gebracht.

Im August bekannte er sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Cohen sagt, er habe im Auftrag Trumps Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels sowie an das ehemalige Playmate Karen McDougal gezahlt, um im Wahlkampf Schaden von Trump abzuwenden. Daniels sagt, sie habe 2006 Sex mit Trump gehabt. McDougal behauptet, sie habe eine Affäre mit ihm gehabt. Der Präsident räumte nach mehreren Dementis eine der Zahlungen ein, bestreitet aber, etwas mit den Frauen gehabt zu haben.

Im November bekannte sich Cohen zudem schuldig, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Zu dem Trump-Tower-Projekt hatte Cohen zunächst erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden - also noch vor der ersten Abstimmung im Vorwahlkampf der Republikaner. Später räumte er unter anderem ein, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten. Seine Bemühungen liefen also in der kritischen Phase von Trumps Wahlkampf weiter.

Hat sich Trump im Amt kriminell verhalten?

Cohen war im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten. Trump und das Weiße Haus sind seit Monaten bemüht, Cohen als Lügner zu diskreditieren. Er steht bei der Anhörung unter Eid. Das "Wall Street Journal" berichtete am Dienstag, Cohen wolle Trump in der Sitzung beschuldigen, sich im Amt kriminell verhalten zu haben. Die Vorwürfe stehen demnach im Zusammenhang mit den Schweigegeldzahlungen an Daniels.

Kooperation mit Robert Mueller

Cohen kooperiert mit Sonderermittler Robert Mueller. Dieser untersucht, ob es bei den mutmaßlichen Versuchen russischer Einflussnahme auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 geheime Absprachen zwischen dem Trump-Lager und Vertretern Russlands gab. Muellers Untersuchung soll aber kein Thema in der öffentlichen Anhörung sein. Das hat der demokratische Ausschussvorsitzende Elijah Cummings in Absprache mit dem Justizministerium so festgelegt. Mueller hat seine Ermittlungen bislang noch nicht beendet.

Die Abgeordneten können Cohen aber zum Beispiel zu Trumps Finanzen, dessen Umgang mit Wahlkampfgesetzen und zum Wahrheitsgehalt der Aussagen des Präsidenten befragen.

(be/dpa)

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