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Trump rechtfertigt Truppenabzug

27.12.2018 17:46 Uhr

Die Plane von Donald Trump, amerikanische Truppen aus Afghanistan und Syrien abzuziehen stießen weltweit auf Kritik. Nun hat Trump seine Politik bei einem spontanen Besuch im Irak verteidigt.

"Die USA können nicht weiter der Weltpolizist sein", sagte Trump am Mittwochabend auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asad. Irakische Politiker kritisierten den unangekündigten Besuch, der die Souveränität ihres Landes verletzt habe. Bei seiner Rückreise in die USA legte der US-Präsident einen kurzen Zwischenstopp in Deutschland ein.

"Es ist nicht fair, wenn die Last ganz auf uns liegt", sagte der von seiner Ehefrau Melania begleitete Trump auf dem US-Stützpunkt in der westirakischen Provinz Anbar. "Wir wollen nicht mehr ausgenutzt werden von Ländern, die uns und unser unglaubliches Militär benutzen, um sie zu schützen. Sie zahlen nicht dafür und das werden sie müssen."

Einsatz sei genug Zeit gegeben worden

Die US-Armee sei in Ländern präsent, "von denen die meisten Menschen noch nicht einmal gehört haben", sagte Trump. "Offen gesagt, das ist lächerlich." Seine Pläne für einen vollständigen Abzug aus Syrien verteidigte Trump damit, dass dem Einsatz mittlerweile "genug Zeit" gegeben worden sei.

Vor Journalisten bekräftigte Trump, ein Truppenabzug aus dem Irak sei nicht geplant. Das Land könne vielmehr als Basis für mögliche künftige Militäreinsätze gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) auch in Syrien genutzt werden: "Wenn wir sehen, dass der IS etwas macht, das uns nicht gefällt, können wir so schnell und so stark zuschlagen, dass sie nicht einmal merken, wie ihnen geschieht."

Der Truppenbesuch überraschte auch hochrangige irakische Politiker, die daraufhin heftige Vorwürfe gegen Trump erhoben. Die Art des Besuchs sei "diplomatischen Normen und Beziehungen mit souveränen Staaten nicht angemessen", sagte der frühere Regierungschef Haider al-Abadi. Er warnte vor Schäden für das Verhältnis der beiden Staaten. Proiranische Parteien im irakischen Parlament forderten den Abzug der US-Truppen.

IS weitgehend besiegt

Trump hatte vor einer Woche angekündigt, alle rund 2000 US-Soldaten in Syrien abzuziehen. Er begründet seine Entscheidung damit, dass der IS "weitgehend besiegt" sei.

Trumps Strategie stieß bei westlichen Verbündeten auf deutliche Kritik. Auch in den USA ist sie umstritten: Nach Trumps Ankündigung reichte Verteidigungsminister Jim Mattis seinen Rücktritt ein. Auch der US-Sondergesandte für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, gibt seinen Posten früher ab als ursprünglich vorgesehen. Für Unruhe sorgen zudem Pläne Trumps, rund die Hälfte der 14.000 in Afghanistan stationierten US-Soldaten abzuziehen.

Eine Woche nach seiner Syrien-Ankündigung dankte Trump nun am zweiten Weihnachtstag im Irak den US-Soldaten für ihren Einsatz. Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt vor bald zwei Jahren, dass Trump US-Soldaten in einem Kampfgebiet besuchte. Vor Journalisten räumte Trump am Mittwoch ein, er habe Sicherheitsbedenken gehabt mit Blick auf das Präsidentenamt und auf die First Lady, "nicht für mich persönlich".

Kein Treffen mit Mahdi

Ein Treffen mit dem irakischen Regierungschef Adel Abdel Mahdi kam nicht zustande. Beide telefonierten aber. Der US-Präsident lud Mahdi dabei zu einem Besuch nach Washington ein, wie Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte. Außerdem soll US-Außenminister Mike Pompeo am 11. Januar nach Bagdad reisen.

Bei seinem Rückflug mit der Air Force One in die USA legte Trump in der Nacht auf Donnerstag einen Zwischenstopp auf dem US-Stützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein ein. Auch dort traf er US-Soldaten und ließ sich mit ihnen fotografieren.

(an/afp)