imago images / ZUMA Press

Trump nennt US-Truppenabzug aus Nordsyrien "strategisch brillant"

17.10.2019 9:11 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat seinen auch in der eigenen Partei heftig umstrittenen Syrien-Kurs als "strategisch brillant" verteidigt. Die US-Soldaten seien durch ihren Abzug aus Nordsyrien nun "total sicher", sagte Trump am Mittwoch in Washington. Die bislang mit den USA verbündeten kurdischen Kämpfer würden nun von Syrien geschützt - "das ist gut", unterstrich der US-Präsident.

Trump wird nicht nur von den oppositionellen Demokraten, sondern auch aus der eigenen Republikanischen Partei heftig für den Truppenabzug kritisiert. Dem US-Präsidenten wird unter anderem vorgeworfen, die ehemaligen Verbündeten im Kampf gegen den IS verraten und die Gefahr einer Neugruppierung der islamistischen Terrormiliz heraufbeschworen zu haben. Inzwischen redet Trump Ex-Verbündeten und meint, diese seien "keine Engel", wie er am Mittwoch wissen ließ.

Pence und Pompeo auf dem Weg in die Türkei

Trump schlug einen direkten Bogen zur Terrorgruppe PKK. Er meldete, die PKK, "die Teil der Kurden sind", sei wahrscheinlich eine "in vielerlei Hinsicht größere terroristische Bedrohung als der IS". Der US-Präsident bestritt jedoch, dass er der Türkei in einem Telefonat mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan drei Tage vor Beginn der türkischen Operation dafür "grünes Licht" erteilt habe. "Genau das Gegenteil" sei der Fall gewesen, sagte Trump während eines Treffens mit dem italienischen Staatschef Sergio Mattarella im Weißen Haus. Allerdings sei die türkische Militäroperation schon seit langer Zeit geplant gewesen, deswegen habe sie ihn "nicht überrascht", sagte Trump.

US-Vizepräsident Mike Pence und US-Außenminister Mike Pompeo wollen am Donnerstag nach Ankara kommen, um sich bei Präsident Erdogan für einen Stopp der Operation einzusetzen. Am Montag hatte die US-Regierung Sanktionen gegen die Türkei verhängt. Trump beschrieb den Konflikt allerdings auch als Angelegenheit, welche die USA nichts angehe: "Es ist nicht unsere Grenze, lasst sie ihre eigenen Kriege kämpfen". Sein Ziel sei es, die US-Truppen aus den "endlosen Kriegen" herauszuholen.

Trump bläst zuhause der Wind ins Gesicht

Die Kritik, dass er mit dem Truppenabzug auch eine weitere Stärkung der Rolle Russlands in der Region ermögliche, wies Trump zurück. Moskau unterstützt den syrischen Machthaber Baschar al-Assad im Bürgerkrieg. Der US-Präsident sagte dazu, wenn Syrien "etwas Hilfe von Russland bekommt, ist das in Ordnung". In Syrien gebe es "viel Sand", merkte Trump sarkastisch an. "Also gibt es viel Sand, mit dem sie spielen können."

Mit seinen jüngsten Äußerungen fachte Trump den Streit auch im eigenen Lager um seine Syrien-Politik weiter an. Er fürchte, dass aus diesem Kurs ein "komplettes und heilloses Desaster für die nationale Sicherheit" der USA entstehen könne, schrieb der einflussreiche republikanische Senator Lindsey Graham im Kurzbotschaftendienst Twitter. Seine Sorge sei, dass die USA künftig keine Verbündeten in der Region mehr gegen den "radikalen Islam" fänden, der IS neu erstarken könnte und der Einfluss des Iran wachse

(afp)

0 Kommentare

Bitte geben Sie den Aktivierungscode ein, der an Ihre E-Mail-Adresse gesendet wurde.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.

Sie müssen angemeldet oder registriert sein, um mitzudiskutieren.