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Trudeaus Herausforderer unter Druck

5.10.2019 13:39 Uhr

Der Herausforderer des kanadischen Premierministers Justin Trudeau, Andrew Scheer, hatte nicht nur die kanadische, sondern auch US-Staatsbürgerschaft. Prinzipiell eigentlich nicht schlimm, doch sein Umgang mit diesem Fakt sorgt im kanadischen Wahlkampf für einige Aufregung.

"In Kanada ist es keine große Sache, die doppelte Staatsbürgerschaft zu besitzen", verteidigte sich Scheer am Freitag auf einer Pressekonferenz in Toronto. Es gebe "Millionen Kanadier", deren Eltern in einem anderen Land geboren wurden. Der konservative Kandidat hatte am Donnerstag öffentlich gemacht, dass er zur Hälfte US-Amerikaner ist. Dies ist in Kanada kein Hindernis für eine politische Karriere, allerdings wurde Scheer dafür kritisiert, dass er erst spät im Wahlkampf damit an die Öffentlichkeit ging. "Jeder, der mich kennt oder meine Familie kennt, weiß, dass mein Vater in den Vereinigten Staaten geboren wurde. Ich war diesbezüglich immer offen", sagte Scheer. Der Konservative entschied sich nach eigenen Angaben nach seiner Ernennung zum Parteichef der Konservativen 2017, seine US-Staatsbürgerschaft aufzugeben. Die nötigen Unterlagen reichte er jedoch erst im August kurz vor Beginn des Wahlkampfs ein.

Doppelmoral?

Kritiker werfen der konservativen Partei zudem Doppelmoral vor: In früheren Wahlkämpfen griffen Konservative Vertreter anderer Parteien wegen deren doppelter Staatsbürgerschaft an. So kritisierte Scheer selbst 2005 die damalige Generalgouverneurin Michaëlle Jean, weil sie neben ihrem kanadischen auch einen französischen Pass besaß.Auch Premierminister Trudeau äußerte sich zu Scheers doppelter Staatsbürgerschaft. "Es sollte Sie nicht disqualifizieren, aber Sie müssen ehrlich sein, wenn Sie Regierungschef eines Landes mit 37 Millionen Einwohnern werden wollen", sagte Trudeau. In Kanada wird am 21. Oktober gewählt. Umfragen sagen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Trudeau und Scheer voraus.

(be/afp)

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