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Trauriger Rekord: Fast 55.000 neue Corona-Fälle in den USA an einem Tag

3.7.2020 8:50 Uhr

Die Corona-Pandemie spitzt sich in den USA immer weiter zu: Laut einer Zählung der Nachrichtenagentur Reuters haben sich binnen eines Tages (Stand Donnerstagabend) 54.879 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das ist der weltweit höchste jemals gemeldete tägliche Anstieg. Bislang lag der Rekord bei Brasilien mit 54.711 neuen Fällen an einem Tag.

Angesichts der Horror-Zahlen versuchten Mitglieder der Corona-Arbeitsgruppe im Weißen Haus bei einem Vor-Ort-Besuch im stark betroffenen Bundesstaat Florida zu beschwichtigen. "Wir sind buchstäblich in einer viel besseren Situation als noch vor zwei Monaten", sagte Vizepräsident Mike Pence und verwies auf die Vielzahl an Tests und Ansätzen zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, sah sich angesichts des Infektionsgeschehens zu einer Kehrtwende gezwungen und ordnete eine weitreichende Maskenpflicht an.

Bundesstaaten gehen ihren eigenen Weg

Pence, der die Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses leitet, setzte am Donnerstag in Florida seine Reisen in derzeit besonders betroffene Bundesstaaten im Süden des Landes fort. Zuvor war er schon in Texas und Arizona. Am Tag seines Besuchs überschritt die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen innerhalb eines Tages dort die Marke von 10.000 - ein Allzeithoch. Pence war bemüht, Optimismus zu verbreiten: Er wolle, dass die Menschen wachsam seien, aber er wolle sie auch bestärken. Florida habe alles, was es brauche, um diesem Moment zu begegnen.

In Texas vollzog Gouverneur Greg Abbott angesichts des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen eine Kehrtwende. Der Republikaner ordnete am Donnerstag eine Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Er folgte damit der Linie von mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Der Schritt war dennoch bemerkenswert. Abbott hatte im Juni noch gesagt: "Die Regierung kann nicht vorschreiben, dass Einzelpersonen Gesichtsmasken tragen müssen."

Trump will weiter keine Maske tragen

Der Widerstand von US-Präsident Donald Trump gegen die Schutzmaske scheint dagegen ungebrochen. Anders als viele andere Politiker zeigt er sich nicht mit Maske in der Öffentlichkeit und begründet dies immer wieder damit, dass er und die Leute um ihn herum stets auf das Virus getestet würden. Erst am Mittwoch äußerte sich der Republikaner skeptisch über eine landesweite Maskenpflicht.

Trump soll sich am Freitag auf den Weg nach South Dakota machen, wo er am Abend am berühmten Präsidenten-Denkmal von Mount Rushmore an den Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag inklusive umstrittenen Feuerwerk teilnimmt. Gouverneurin Kristi Noem hatte die Menschen zum Kommen aufgerufen und gesagt, dass Masken verteilt würden, aber nicht verpflichtend seien. In anderen Bundesstaaten wie Kalifornien wurden vor dem langen Feiertagswochenende Restriktionen verhängt, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Wirtschaft macht Druck

Führende Wirtschaftsvertreter appellierten an das Weiße Haus, es müsse in Zusammenarbeit mit den Gouverneuren Regelungen für das verpflichtende Tragen von Masken in der Öffentlichkeit ausarbeiten. Die vergangenen Wochen hätten bewiesen, dass auf Freiwilligkeit basierende Richtlinien nicht ausreichten, um die Gesundheit der Menschen zu schützen, hieß es in einem offenen Brief, der unter anderem vom Vorstandsvorsitzenden der US-Handelskammer unterzeichnet wurde. Ohne stärkere Maßnahmen zur Eindämmung der Virusausbreitung drohe Amerika eine "weitere Runde an Shutdowns, weitreichenden Beschränkungen für nicht essenzielle Betriebe und irreparablen wirtschaftlichen Schaden".

Die Wirtschaft des Landes, die empfindlich von der Pandemie getroffen wurde, ist Trump wenige Monate vor der Wahl im November ein wichtiges Anliegen. Am Donnerstag bejubelte er im Weißen Haus die rasche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, die "alle Erwartungen übertroffen" habe. Die am Donnerstag veröffentlichte Arbeitslosenquote fiel stärker als erwartet von 13,3 Prozent im Mai auf 11,1 Prozent im Juni. Fast fünf Millionen Amerikaner haben im Juni wieder Arbeit gefunden. Doch die positiven Nachrichten sind mit Vorsicht zu genießen - denn wegen der Zuspitzung der Lage im Süden des Landes droht neues Unheil. Die Arbeitslosenquote für Juni beruhte auf Daten, die nur die Situation bis zur Mitte des Monats abbildeten. Mögliche Auswirkungen der jüngsten Zuspitzung spiegelten sich darin deshalb noch nicht wider.

(bl/dpa)

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