DHA

Trainingsvideo von junger türkischer Frau mit Kopftuch sorgt für religiösen Wirbel

9.4.2020 20:32 Uhr

Viele Influencer versuchen sich derzeit daran, gemeinsam mit ihren Zuschauerinnen und Zuschauern auf den Streaming-Kanälen Fitness zu machen. Ziel: Auch in Zeiten des Coronavirus und der geschlossenen Fitnessstudios nicht völlig inaktiv sein. Ein solches Video hat in der Türkei für reichlich negative Furore gesorgt. Eine junge Frau, Duygu Akin, die Physiotherapie studiert und ein Kopftuch trägt, hatte ein harmloses Trainingsvideo online gestellt. Daraufhin musste sie harsche Kritik konservativer religiöser Kreise über sich ergehen lassen – erhielt aber glücklicherweise auch viel Zuspruch.

Duygu Akin, eine Physiotherapiestudentin aus der nordwestlichen Provinz Sakarya, die Kopftuch trägt, hat die Reaktion konservativer Kreise in der Türkei dadurch getriggert, weil sie ein Video ihrer Trainingsroutinen veröffentlicht hatte. Ziel war es, Menschen dabei zu helfen, ihre Gesundheit auch in Zeiten der Coronavirus-Pandemie zu erhalten, obwohl man das Haus aufgrund von Ausgangsbeschränkungen nicht verlassen darf und Fitness-Studios geschlossen sind. Duygu Akin ist dabei nur eine der vielen Personen, die zu Hause kostenlose Übungsroutinen anbieten, damit die Menschen in Form und gesund bleiben können. Viele Influencer auf Facebook oder Instagram drehen derzeit solche Videos. Sie zeigen ihrem Publikum die Übungsbewegungen, die sie bequem daheim ohne Risiko einer Infektion mit Covid-19 durchführen können. In der Türkei wird das mit dem Hashtag #EvdeHareketsizKalma (Sei zuhause nicht inaktiv) geteilt.

Akin dankt den Menschen, die ihr beistanden

Die Videos von Duygu Akin haben nun eine jahrzehntelange Debatte in der Türkei über das Kopftuch wiederbelebt. Auch in der Türkei gab es bis vor kurzer Zeit regelmäßige Diskussionen, bei denen konservative und weltliche Kreise lange und kontrovers diskutiert hatten. Die junge Frau wurde unmittelbar nach dem Teilen des Videos auf ihrem Social-Media-Kanal zum Mittelpunkt der teils sehr harschen und beleidigenden Reaktionen. Im Grunde stand sie mitten in einem "religiös motivierten Shitstorm".


Einige Social-Media-Nutzer haben Kommentare abgegeben, in denen sie behaupteten, dass das Übungsvideo einer Frau mit Kopftuch den "Befreiungskampf für Kopftücher" schädige und dass diese Übungen im Widerspruch zu den "Werten des Islam" stünden. Akin selbst geht damit mittlerweile sehr entspannt um. "Ich studiere Physiotherapie. Übungsvideos waren meine Hausaufgaben und ich musste sie auf Twitter teilen", sagte sie an die religiösen Eiferer gewandt. "Ich schäme mich nicht für das Übungsvideo, das ich gedreht habe. Ziel war es, einfache Übungen zu demonstrieren, die die Öffentlichkeit (nach)machen konnte. Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützten, mich nicht allein mit diesen bösen, gehässigen Kommentaren gelassen haben und den Zweck des Videos verstehen."

(ce)

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