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Trabzonspor zerlegt Besiktas

29.9.2019 20:02 Uhr, von Chris Ehrhardt

Für den Main Event am Sonntagabend in der türkischen Süper Lig stand die Partie der Erzrivalen auf dem Programm: Trabzonspor gegen Besiktas Istanbul. Beide Teams sind sparsam in die neue Saison gestartet und das nicht nur in die eigene Liga, sondern ebenso in die Europa League. Da war ein Sieg im Prestige-Duell quasi Pflicht. Vielleicht war es für die Schwarzen Adler vom Dolmabahce Palast sogar noch etwas wichtiger, denn bei einer Niederlage, das stand fest, würde der Stuhl von Trainer Abdullah Avci ganz sicher wackeln, nachdem schon der Vorstand in der Woche für sich selbst die Reißleine zog.

Beide Teams versuchten konzentriert in die erste Hälfte zu starten und die oberste Prämisse lautete: Nur kein schnelles Tor kassieren. Da war gerade Besiktas gefordert, denn bei den Adlern ist die Hintermannschaft mehr eine Karnevalstruppe denn eine sattelfeste Abwehr – heißt: Der Gegner hat häufig das Lachen auf seiner Seite. So auch diesmal. Und das gleich doppelt. Die Lachparade ging nach einer langen Phase des gegenseitigen Abtastens in der 31. Minute los: Freistoß von der linken Seite. Jose Sosa trat an und brachte die Kugel in die Box. Große Gefahr bestand eigentlich nicht, denn alle Gegner waren gut zugestellt – fast alle. Dorukhan Toköz war dann der Feind im eigenen Bett und verlängerte die Kugel mit dem Kopf in die eigenen Maschen – 1:0 für Trabzonspor per Eigentor.


Und Jose Sosa schien sich gedacht zu haben, was so großartig funktioniert, das mache ich doch gleich noch einmal. In der 42. Minute haute er einen Hammer raus und da stand dann Necip Uysal. Dass er die Arme schön angelegt hatte, darauf achtete Uysal – nur dass er den Kopf einziehen sollte, das schien er vergessen zu haben. Und so gab er dem scharf geschossenen Ball einen Spin, der Loris Karius im Kasten alt aussehen ließ – 2:0. Nach den Eigentor-Orgien in den Nachmittagsspielen wurde das Gezauber nun an der Schwarzmeerküste fortgesetzt. Würde das Heimteam in der zweiten Hälfte nachlegen und sich drei Eier ins eigene Nest legen? Für Spannung war zumindest da gesorgt.

Muss Abdullah Avci nun den Stuhl räumen?

Sofort zu Beginn der zweiten Halbzeit reagiert Abdullah Avci, dessen Job laut hörbar wackelte. Und er brachte für Tyler Boyd Abdoulay Diaby. Man konnte, wenn man ganz leise war, Avcis Vorgänger Senol Günes lachen hören. Hatte der doch immer wieder auf Güven Yalcin gebaut und der junge Kerl hatte das Vertrauen zurückgezahlt. Vielleicht schaut sich Avci ja einmal Videos aus der Vorsaison an. Und die Taktik zahlte sich aus – zumindest für Trabzonspor. In der 65. Minute marschierte Anthony Nwakaeme schick auf der linken Seite durch. Necip Uysal machte es diesmal nicht per Kopf, sondern mit dem Körper: Er hob pfiffig in der Mitte das Abseits auf und dadurch war Alexander Sörloth hervorragend frei und konnte trocken einnetzen. Danach gab es kurze Diskussionen, ob er Norweger im Abseits stand, aber der VAR sah es sehr richtig und der Treffer zählte – 3:0. Die Besiktas-Hintermannschaft zeigte sich von ihrer besten Seite – für den Gegner. Hast du keine starke Abwehr, lässt du keine Defensivtaktik spielen. Trainer-Lehrgang erste Stunde.


Nach dem Treffer reagierte Abdullah Avci, der sich sicherlich in dem Moment zu IBB zurücksehnte und nahm Domagoj Vida runter, für den dann Güven Yalcin kam. Damit blieb hinten eine Dreierkette übrig. In der 79. Minute hatte dann diese überaus fuchsige Maßnahme vom Trainer – Güven Yalcin zu bringen – tatsächlich Erfolg. Caner Erkin führte eine Ecke aus und da war dann der ehemalige Leverkusener zur Stelle – 3:1. Danach erst wurde das Team einigermaßen wach und merkte, man kann aus Ballbesitz auch Zählbares machen. Man drückte und drückte, wollte den Anschlusstreffer. Aber Trabzon stellte sich hinten geschickt auf und kämpfte vielbeinig in der Abwehr. Und dann öffnete der BJK-Sturmlauf natürlich Lücken. Exakt die nutzte dann in der 88. Minute Anthony Nwakaeme. Langer Abwurf von Keeper Ugurcan Cakir, der fand Nwakaeme und der marschierte über den halben Platz, um dann platziert abzuschließen und dem von seiner Abwehr allein gelassenen Karius nicht den Hauch einer Chance zu lassen – 4:1. Dabei blieb es dann auch nach den fünf Minuten Nachspielzeit und nun bleibt es spannend, wie lange der Trainer derartige Vorstellungen unbeschadet überstehen kann. Besiktas ist damit auf einem Abstiegsplatz - Platz 16 - abgekommen und macht diese Saison wohl das Fenerbahce der vergangenen Saison nach.

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