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Touristikkonzern FTI kämpft gegen Abschwung

8.11.2020 13:08 Uhr, von an

In nur drei Jahrzehnten stieg der angestellte Sprachkurs-Reiseleiter Dietmar Gunz kometenhaft zum mächtigsten Tourismusmanager in Europa auf - mit dem inhabergeführten Reiseunternehmen FTI. Corona brachte das Unternehmen in weniger als zehn Monaten in eine Schräglage, wie das "Handelsblatt" berichtet.

Sein Unternehmen, die FTI Group, war mit 4,2 Milliarden Euro der größte private Reiseveranstalter Europas. Dabei schien alles so gut zu laufen. 2019 ging der ewige Rivale Thomas Cook Pleite. Die Buchungen für Spanien, Griechenland und die Türkei explodierten nahezu. FTI bewegte sich auf den Zenit zu.

Corona zwingt Konzern in die Knie

Doch dann kam Corona und mit dem Virus die erste weltweite Reisewarnung am 17. März, gefolgt von einer Welle der Stornierungen. Angezahlte Urlaube mussten erstattet, Touristen aufwändig aus ihren Feriengebieten zurückgeholt werden.

Bereits Anfang April musste sich der Konzern einen dreistelligen Millionenbetrag leihen. Als Bürgen fungierten Bund und Länder. Doch die Bedingungen waren, dass die Gesellschafter Eigenkapital beisteuerten. In diesem Fall war es der ägyptische Milliardär und Anteilseigner Samir Sawiris.

Anteile des Gründers schrumpfen zusammen

Der Preis, den Gunz für die ägyptische Finanzspritze zahlen musste, war hoch. Sein Anteil am Unternehmen schmolz auf 13,3 Prozent. Selbst zusammen mit den Anteilen seiner Frau hielten die beiden nur noch 19,9 Prozent am Unternehmen. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Um weitere Ausfälle zu verkraften, zapfte man Gelder aus dem staatlichen Wirtschaftsstabilisierungsfond an. Dieser gewährte ein Darlehen über 235 Millionen Euro. Und das für knapp zehn Prozent Zinsen, berichtet das Handelsblatt. Außerdem sind nun Ausschüttungen an Gesellschafter tabu.

Der Gründe, warum FTI, als einer der wenigen familiengeführten Touristikkonzerne, Notkredite brauchte, waren einerseits die hohen Rückzahlungen an Kunden und anderseits die Tatsache, dass Ende 2019 das Unternehmen nur über relativ wenig liquide Mittel verfügte. Ein Großteil des Geldes wurde investiert. Nun bleibt nur der Blick nach vorne, sagt Mit-Geschäftsführer Ralph Schiller: "Wir konzentrieren uns nun mit ganzer Kraft auf die nächsten Monate."

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