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Tourismusminister Ersoy: Eigentlich hat das Reisen in die Türkei schon begonnen

10.6.2020 22:10 Uhr, von Berna Ehrhardt

Reisewarnungen, Reisehinweise und Quarantäne-Angst – wer momentan in die Türkei reisen möchte, steht vor vielen Fragen. Am Donnerstagabend gaben sowohl der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy als auch Gesundheitsminister Fahrettin Koca die Antworten auf zumindest einige davon. Hürriyet.de versucht, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Erste Flüge in die Türkei

Am Mittwoch sind mit der Fluglinie SunExpress die ersten Flieger aus Deutschland Richtung Türkei gestartet, unter anderem aus München, Düsseldorf, Hamburg und Frankfurt nach Antalya und Izmir.

Der SunExpress-Check-in in Frankfurt (Bild: Gürsel Tekin)

Reisende am Check-In für den Flieger nach Izmir mussten ein Formular zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen. Wie sie unserem Hürriyet Avrupa-Reporter Gürsel Tekin mitteilten, sollen diese Formulare vor dem Flug eingesammelt und den türkischen Behörden übergeben werden. Auch sollen Deutsche, die weder über die sogenannte "Mavi Kart", die sie als ehemalige türkische Staatsbürger ausweist, oder eine Meldung (Ikamet) in der Türkei verfügten, mit an Bord genommen worden sein.

Erste Flüge aus der Türkei

Ebenfalls am Mittwoch landeten erste Reisende, die mit der Fluglinie SunExpress von Izmir nach Frankfurt flogen. Zwei Flüge aus Istanbul und Ankara der Turkish Airlines wurden am Mittwoch jedoch annulliert.

Ankunftstafel am Frankfurter Flughafen am Mittwoch, 10. Juni (Bild: Gürsel Tekin)

Wie die Reisenden aus Izmir erzählten, habe es, abseits der üblichen Passkontrollen, keine Überprüfungen bei der Einreise in Deutschland gegeben. Auch beim Check-In sei nicht nach dem eigentlich für das Reisen nötigen HES-Code des Gesundheitsministeriums gefragt worden. Vor dem Abflug in Izmir sei die Temperatur der Passagiere gemessen worden. Nach der Landung habe es weder Gesundheitschecks noch Anweisungen durch die deutschen Grenzbeamten gegeben und die Reisenden, die aus dem Drittland Türkei kamen, konnten einfach nach Hause fahren. Ohne Quarantäne-Empfehlungen. Hierzu passen auch die Äußerungen, die der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy am Mittwochabend auf dem Nachrichtensender CNNTürk im Gespräch mit Ahmet Hakan machte.

Minister Ersoy: Ab dem 15. Juni wird Inlandstourismus an Fahrt aufnehmen

Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy war am Mittwochabend zu Gast im CNNTürk-Programm "Tarafsiz Bölge" des Chefredakteurs der türkischen Tageszeitung Hürriyet, Ahmet Hakan, und machte dabei wichtige Erklärungen.

So habe der Inlandstourismus, der ab dem 1. Juni wiederaufgenommen wurde, zunächst etwas schleppend begonnen, nehme aber immer mehr Fahrt auf. Ersoy erwarte, dass nach dem 15. Juni noch mehr Bewegung in den Inlandstourismus kommen werde – was wichtig sei, denn das Ausland beobachte genau, welche Maßnahmen getroffen würden. Durch die Öffnung des Inlandstourismus könne man die getroffenen Regelungen präsentieren und dadurch Vertrauen schaffen. Überhaupt sei in diesem Stadium das Wichtigste die Transparenz. So können Reisende bei den mit dem "Gesunder-Tourismus"-Zertifikat ausgezeichneten Hotels und Restaurants nicht nur das Zertifikat vor Ort einsehen, sondern auch über einen QR-Code noch mehr Informationen zu der Anlage und den erfüllten Regelungen erhalten.

Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy und sein Team (Bild: dha)

Reisewarnung richtet sich "nicht spezifisch gegen die Türkei"

Zu der durch die deutsche Regierung bis zum 31. August verlängerte Reisewarnung für 160 Länder inklusive der Türkei sagt Ersoy, dass es normal sei, dass man zunächst die "eigene" EU-Wirtschaft ankurbeln wollen würde. "Das ist nicht spezifisch gegen die Türkei gerichtet", so Ersoy. "Man sieht die EU-Länder als "Inland" und die anderen Länder als "Ausland""

Die Gespräche mit Deutschland laufen

Von der Reisewarnung lässt sich Tourismusminister Ersoy nicht entmutigen. Mit ihrem Zertifikationssystem sei die Türkei ganz weit vorne mit dabei. "Die Gespräche [mit Deutschland, Anm. d. Red.] laufen weiter. Die Türen nach Deutschland sind nicht vollkommen geschlossen. Eigentlich hat der Verkehr bereits begonnen, es wird nur nicht dazu geraten."

Wie läuft die Einreise in die Türkei ab?

Wie sowohl der türkische Tourimusminister als auch Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Mittwochabend erklärten, plane man keine allgemeinen Coronavirus-Tests bei der Einreise an türkischen Flughäfen. Stattdessen habe man Testzentren an den Flughäfen installiert. Bei der Einreise werden die Passagiere per Thermalkamera und Fiebermessgeräten kontrolliert. Nur im Falle einer Körpertemperatur über 37,8 Grad werde man in einem abgetrennten Bereich einem PSR-Test unterzogen. Dieser liefere innerhalb einer Stunde ein Ergebnis. Sollte dieses positiv ausfallen, wird der Reisende sofort in ein Krankenhaus gebracht, wo er genau untersucht wird.

Der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca verkündete am Mittwochabend nach einer Sitzung des Corona-Wissenschaftsrats, dass man nicht für generelle Corona-Tests für Reisende wäre. Dies würde auch in der EU nicht geraten oder durchgeführt. Nur wer bei der Einreise Symptome wie eine erhöhte Temperatur zeige, werde in Quarantäne genommen bzw. ins Krankenhaus gebracht.

Die ersten Flieger aus Deutschland sind bereits in Antalya gelandet (Bild: dha)

Botschafter von 60 Ländern nach Antalya eingeladen

Man wolle im Bereich des Tourismus nichts dem Zufall überlassen und erwarte im Juli einen starken Anstieg an ausländischen Besuchern. Deshalb arbeite man bereits seit Mai daran, die getroffenen Maßnahmen und Zertifikate auch im Ausland vorzustellen. Die Telefon-Diplomatie glühe bereits seit gut anderthalb Monaten. Nun habe Ersoy die Botschafter von 60 Ländern am 19. Juni nach Antalya eingeladen, damit sie sich vor Ort ein Bild über den Umgang mit den Risiken des Coronavirus machen könnten. 43 Botschafter hätten die Einladung akzeptiert. Wie Ersoy unterstrich: "Wir sind bereit, kommt und überzeugt Euch selbst von den Maßnahmen."

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