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Tierfutterautomaten in Istanbul

11.11.2019 16:55 Uhr

Geschätzt 150.000 Straßenhunde gibt es in Istanbul. Wahrscheinlich sind es noch einmal genauso viele streunende Katzen. Die Einwohner von Istanbul haben ein besonderes Verhältnis zu diesen Tieren. Viele glauben, dass die Hunde im Gefolge von Sultan Mehmet ins damalige Konstantinopel gekommen sind. Bei den Katzen ist man sich sicher, dass sie schon immer da waren.

Protest gegen die Unterbringung in "natürlicher Umgebung"

Natürlich gibt es auch Menschen, denen die Tiere ein Dorn im Auge sind, weil sie befürchten, dass sie Krankheiten übertragen. Der ein oder andere Hund wird für gefährlich gehalten. Auch die Regierung ist kein sonderlicher Fan der Streuner. So entstand die Idee, die Tiere einzufangen und in der "natürlichen Umgebung" eines Parks am Stadtrand unterzubringen. Die Istanbuler sollten die Tiere dort besuchen und sogar adoptieren können. Das Vorhaben stieß auf massiven Protest.

Da die Tiere seit jeher in den Straßen präsent sind, werden sie von den meisten Einwohnern als dazugehörig und Teil des kulturellen Lebens empfunden. Darüber hinaus wurde der Regierung nicht getraut, es wurde vielmehr geglaubt, dass die Tiere "entsorgt" werden sollten. Die Nachricht vom Hundevernichtungslager hat schließlich die Runde gemacht.

Eine Win-Win-Situation

Nichtsdestotrotz ist es gerade für die Hunde in Istanbul ein alltäglicher Überlebenskampf. Vor einigen Jahren hat sich der Türke Engin Girgin deshalb mit dem Unternehmen Pugedon zusammengetan und einen Automaten entwickelt, der gleich zwei Zwecke erfüllt: Zum einen lässt er Flaschen- und Dosenmüll von Istanbuls Straßen verschwinden. Zum anderen werden die Tiere wie Hunde und Katzen versorgt.

Das Konzept ist genial simpel. Eine Plastikflasche oder Dose wird in die obere der drei Öffnungen des Automaten gelegt. Ein Laser überprüft, ob das Behältnis recyclebar ist. Ist das der Fall, wird in die untere, große Öffnung eine bestimmte Menge Tierfutter gegeben. Die dritte Öffnung ist für Restwasser in den Flaschen gedacht. Es kann dort hineingeschüttet werden und wird den Tieren dann ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Foto: pugedon

Immer mehr Automaten

Der Automat wurde von sowohl Zwei- als auch Vierbeinern gut angenommen. Die Menschen entsorgen ihre Plastikflaschen und Dosen nicht nur im Vorbeigehen darin, sondern gehen auch gezielt hin. Die Hunde hatten schnell heraus, was es mit dieser Box auf sich hatte und bildeten Warteschlangen. Auch in vielen anderen Städten der Türkei finden sich mittlerweile die Pugedon-Automaten, weitere sind geplant.

Im gewissen Maße kümmern sich aber auch die Istanbuler, Bewohner und Ladenbesitzer, um die Hunde und Katzen in ihren Vierteln. Die Tiere werden geliebt und mit dem Nötigsten versorgt. Einige sind Berühmtheiten und haben Kultstatus.

(jk)

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