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Telekom erhält Rechte an EM 2024

23.10.2019 13:41 Uhr

Die Deutsche Telekom hat die exklusiven Übertragungsrechte für die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland erhalten. Das gab das Unternehmen am Mittwoch in München bekannt. Öffentlich-rechtliche und private TV-Sender können nun aber über Sublizenzen verhandeln.

Ein "neues Sommermärchen", ein "großes Fußball-Fest für alle Fans in Deutschland" - und völlig neue Fernseh-Gewohnheiten? Die Telekom will bei der Heim-EM 2024 die ganze Republik vor die Bildschirme locken, und ARD und ZDF könnten damit erstmals gänzlich leer ausgehen. Der am Mittwoch verkündete Kauf der Übertragungsrechte erfülle das Bonner Unternehmen "mit Stolz", sagte Manager Michael Hagspihl, "aber er gibt uns auch eine Aufgabe: Es ist unser Ziel, dieses Ereignis für alle Fußball-Fans in Deutschland erreichbar und zu dem Erlebnis zu machen, das sie erwarten."

ARD will noch

Das heißt: Das neue Schwergewicht in der Liga der Fußball-Berichterstatter will Sublizenzen an Free-TV-Partner wie die Öffentlich-Rechtlichen vergeben - und die haben die Hoffnung auf einen Deal noch nicht aufgegeben. "Wir sind weiterhin bereit, zu wirtschaftlich und programmlich akzeptablen Bedingungen Übertragungsrechte am Turnier zu erwerben, um der EM 2024 ihrer gesellschaftlichen Bedeutung entsprechend die größtmögliche Verbreitung in Deutschland zu geben", sagte der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm auf SID-Anfrage.

Die Bedingungen darf jedoch die Telekom diktieren, und die freut sich schon darauf, "dass sich das Sommermärchen von 2006 im Jahr 2024 wiederholen wird", sagte Hagspihl bei der Präsentation in München. An dem erhofften Fußballfest sollen möglichst viele Anhänger teilhaben. ARD und ZDF dürfen daher ebenso hoffen wie etwa RTL, das aktuell die Qualifikationsspiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft für die EM 2020 überträgt. Die Rechte an der TV-Endrunde im kommenden Jahr liegen bei ARD und ZDF.

Einige Spiele müssen frei empfangbar sein

Der Rundfunkstaatsvertrag schreibt ohnehin vor, dass die Spiele der DFB-Auswahl bei der EM 2024, das Eröffnungsspiel sowie die Halbfinals und das Finale frei empfangbar sein müssen. Auch dort könnten ARD und ZDF wieder ins Spiel kommen. Die Telekom will die Partien auf ihren TV- und Streamingplattformen (MagentaTV) ausstrahlen. "Wir werden uns viele Ideen einfallen lassen", versprach Hagspihl. Dennoch ist wahrscheinlich, dass die Fans ihre Sehgewohnheiten radikal ändern müssen.

Die Europäische Fußball-Union ist mit dem Geschäft zufrieden. "Wir freuen uns sehr, mit der Deutschen Telekom für das Gastgeberland der Fußball-Europameisterschaft 2024 so früh einen sehr starken Medien-Partner gefunden zu haben", sagte Marketingchef Guy-Laurent Epstein. Der Verband sei davon "überzeugt, dass die Deutsche Telekom ihren großen Beitrag leisten wird, das Großereignis zu einem bleibenden Erlebnis für alle Fans in Deutschland zu machen und damit zu einem vollumfänglichen Erfolg.

Einer der größten Sportproduzenten in Deutschland

Hagspihl gab sich bei der Präsentation des Deals in der "Kunst Location" in München-Riem ähnlich zuversichtlich. "Die Telekom ist schon jetzt einer der größten, wenn nicht der größte Sportproduzent in Deutschland", sagte er. Der Kommunikationskonzern überträgt alle Spiele der Basketball Bundesliga (BBL) und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sowie der 3. Liga im Fußball. Das sind über 1500 Live-Ereignisse im Jahr. "Damit haben wir bereits einen Kompetenznachweis geliefert", betonte Hagspihl.

In fünf Jahren werde die Telekom "alles tun, dass die Heim-EM zu einem großen Fußball-Fest wird", versprach er. Doch dafür müssen die Magentafarbenen wohl die Konkurrenz mit ins Boot holen. "Wir sind offen für Gespräche mit allen Partnern", sagte Hagspihl, "aber ich kann heute noch keine konkreten Aussagen machen." Der Vertrag, über den verschiedene Medien schon im September berichtet hatten, sei "erst vor einigen Tagen unterschrieben worden. Wir werden mit den Partnern sprechen, mit denen wir ohnehin im Austausch sind."

Dass die Öffentlich-Rechtlichen 2024 in die Röhre schauen, ist daher längst nicht ausgemacht: Auch die Übertragungsrechte an Olympia ab 2018 bis 2024 hatten ARD/ZDF verloren, waren aber schon bei den Winterspielen in Pyeongchang per Sublizenz wieder zurückgekommen.

(be/dpa/afp)

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