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Tausende Polizisten müssen Frauen bei Hindu-Fest an indischem Tempel schützen

16.11.2018 14:34 Uhr

Tausende indische Polizisten haben einen Tempel vor einem mehrwöchigen Hindu-Fest in eine Festung verwandelt, um Frauen den Zutritt zu ermöglichen. Mehr als 3400 Polizisten, viele von ihnen in Schutzuniformen, bezogen am Freitag entlang der Straßen zum Sabarimala-Tempel im südindischen Bundesstaat Kerala Stellung.

Seit der Aufhebung eines Zutrittsverbots für Frauen versuchen erzkonservative Hinduisten seit Wochen, Frauen auch gewaltsam von dem Tempel fernzuhalten. Das Oberste Gericht des Landes hatte Ende September nach einem jahrelangen Rechtsstreit das Zutrittsverbot für Frauen zu dem Tempel aufgehoben. Frauen im gebärfähigen Alter - das auf zwischen zehn und 50 Jahre festgelegt wurde - war es bis dahin verboten, den Tempel zu betreten und dort zu beten.

Für das am Samstag beginnende religiöse Fest haben sich rund 700 Frauen angemeldet. Bis Mitte Januar werden hunderttausende Pilger erwartet, die den vierstündigen Aufstieg zu dem auf einem Berg gelegenen Sabarimala-Tempel zurücklegen wollen. Der Sprecher der Polizei von Kerala kündigte an, bis Mitte Januar würden mehr als 15.200 Polizisten in dem Gebiet eingesetzt.

Demonstranten drohen mit Gewalt

Am Freitagmorgen versuchten hunderte Demonstranten auf dem Flughafen von Kochi, die Aktivistin Trupti Desai auf ihrem Weg zum Tempel aufzuhalten. "Wir haben mehrfach versucht, ein Taxi zu bekommen", aber die Demonstranten hätten den Fahrern verboten, sie mitzunehmen, sagte Desai dem indischen Fernsehen. Selbst die Polizei könne ihnen nicht beim Verlassen des Flughafens helfen, weil die Zahl der Demonstranten anschwelle und diese mit Gewalt drohten.

Mitte Oktober sollte der Tempel erstmals für Frauen zugänglich sein. Wütende Hindu-Traditionalisten widersetzten sich jedoch dem Gerichtsurteil und verwehrten Frauen gewaltsam den Zutritt zur Gebetsstätte. Sie blockierten unter anderem Kreuzungen, bewarfen Busse mit Steinen, um Frauen von dem Tempel fernzuhalten, und lieferten sich Zusammenstöße mit der Polizei. Diese nahm mehr als 2000 mutmaßliche Randalierer fest.

(an/afp)