dpa

Tausende feiern Gay-Pride-Parade

23.6.2019 19:37 Uhr

Am Sonntag hat, geschützt von einem Großaufgebot der Polizei, in Kiew die jährliche Gay-Pride-Parade stattgefunden. Mehr als 8000 Menschen feierten in der ukrainischen Hauptstadt und forderten gleiche Rechte für alle.

Zum ersten Mal schlossen sich Soldaten des ukrainischen Militärs der Parade an. Zum Schutz der Demonstranten waren tausende Polizisten und Nationalgardisten im Einsatz. Auch Politiker und ausländische Botschafter waren unter den 8000 Demonstranten. Erstmals beteiligten sich mehrere Dutzend Soldaten und Veteranen des Konflikts zwischen Separatisten und Regierungstruppen im Osten des Landes an dem Marsch. Einige von ihnen trugen Uniformen. Rund 30 Militärangehörige waren es nach Angaben von Viktor Pylypenko, der die Gruppe anführte. Eigentlich hätten noch mehr schwule Soldaten teilnehmen wollen, sagte er einem Fernsehsender. Sie hätten jedoch die Front in der Ostukraine nicht verlassen können. Pylypenko betonte, das Leben schwuler Soldaten sei hart. Wegen der weit verbreiteten Homophobie könnten sie sich nicht zu ihrer Homosexualität bekennen.

Fast tausend Gegendemonstranten

Vor Beginn der Parade versammelten sich fast tausend Gegendemonstranten, die schwulenfeindliche Plakate hochhielten und Parolen wie "Ihr seid die Schande eurer Eltern" riefen. Die Anhänger rechtsextremer und christlich-orthodoxer Gruppen wurden aber von der Parade ferngehalten. Nach Polizeiangaben wurden neun Störer festgenommen. Die Parade selbst verlief ohne größere Zwischenfälle. Homophobie ist in der Ukraine weit verbreitet, es gibt immer wieder Angriffe auf Homosexuelle und Angehörige anderer Minderheiten. Anders als im Nachbarland Russland versuchen die Behörden aber durch die Genehmigung von Gay-Pride-Paraden Toleranz zu zeigen. Die Veranstalter hatten nach eigenen Angaben in diesem Jahr auch den neuen ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu der Parade eingeladen. "Leider" habe der ehemalige Schauspieler und Komiker aber nicht auf die Einladung reagiert, sagte Ruslana Panuchnyk von der Organisation KyivPride.

(be/afp)