dpa

Tatverdächtiger von Waldkraiburg sympathisierte mit dem IS

10.5.2020 12:34 Uhr, von Chris Ehrhardt

Der 25-jährige Tatverdächtige im Zusammenhang mit der Anschlagsserie im bayerischen Waldkraiburg handelte laut Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl aus "Hass auf Türken" und war Sympathisant des Islamischen Staates IS. Der Täter führt die deutsche Staatsangehörigkeit, seine Eltern sind dem Vernehmen nach türkische Staatsbürger. Sie stellten – wie das weitere Umfeld des Tatverdächtigen – Radikalisierungstendenzen des Tatverdächtigen fest, der sich nach eigenen Angaben gerne dem IS angeschlossen hätte.

Waldkraiburg kann erleichtert aufatmen. Durch einen "Zufallsfang", der auf einem nicht gelösten Bahnticket basierte, konnten wohl nicht nur die Anschläge auf türkische Geschäfte in Waldkraiburg aufgeklärt werden, in deren Zuge sechs Menschen verletzt wurden und hoher Sachschaden entstand, sondern weitere schwere Straftaten durch die Festnahme des Verdächtigen verhindert werden. In einer Pressekonferenz am Sonntag berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft, dass der Täter "über reichlich sprengfähiges Material, zündfähige Rohrbomben, eine scharfe Waffe der Marke Beretta mit Munition und chemische Substanzen" verfügte. Er habe auch, so Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl, geplant, weitere schwere Straftaten zu begehen, bei denen das Risiko groß gewesen wäre, dass Menschen getötet worden wären.

Täter warf aus "Bequemlichkeit" mit Steinen und zündete keine Bomben

Auf die Frage von Hürriyet.de, die in der Pressekonferenz gestellt wurde "Wie erklären Sie sich zum jetzigen Stand der Ermittlungen, dass jemand, der zweistellig an zündfähigen Rohrbomben, scharfe Waffen usw. zur Verfügung hat, Läden mit „Steinen und einer übelriechenden Substanz“ attackiert? Warum hat er das sprengfähige Material wie Schwarzpulver usw. nicht gezündet?" erklärte Oberstaatsanwalt Georg Freutsmiedl: "Der Täter hat in den Befragungen der Soko Prager, die ihn auf diese Ambivalenz der Handlungen ansprach, geantwortet, ihm hätte ein weiterer schwerer Brandanschlag 'zu viel Mühe gemacht'. Der Transport des Sprengmaterials zu den jeweiligen Tatorten scheint für den Täter, der wegen Verstößen gegen das BtMG nicht mehr im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis ist, nicht so einfach gewesen zu sein. Eventuell ist er auch aufgrund des Fahndungsdruckes vorsichtiger geworden."

Als Beweggründe nannte der mutmaßliche Täter "Hass auf Türken", den er aber, da seine Eltern selbst türkische Wurzeln haben, nicht hinreichend erklären konnte. Die türkischen Ziele, das steht auf jeden Fall, sind nicht zufällig, sondern mit Absicht gewählt worden, denn es war exakt die Bevölkerungsgruppe, die der selbsterklärte IS-Anhänger treffen und schädigen wollte. Die Ermittlungen der Behörden laufen nun auf Hochtouren. Man will eruieren, woher die sprengfähigen Substanzen und auch die Waffe nebst Munition stammen. Damit würde auch geklärt, ob der mutmaßliche Täter möglicherweise noch nicht entdeckte Hintermänner hat.

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