Hürriyet

Türkischer Meister wird ...

23.4.2019 16:08 Uhr, von Anil P. Polat

Noch fünf Spieltage sind zu absolvieren, bevor die türkische Meisterschaft beendet ist. Aktuell sieht es sogar so aus, als würde man bis zum Ende warten müssen, bevor feststeht, wer sich den Titel in dieser Saison sichert. Hürriyet.de hat die möglichen Szenarien für die Süper Lig aufgeschlüsselt.

Basaksehir in der Pole Position – 62 Punkte

Vor wenigen Spieltagen sah es noch ganz nach einem ungefährdeten Durchmarsch von Medipol Basaksehir und der ersten Meisterschaft der jungen Vereinsgeschichte aus. Doch der Ligaprimus, der die Tabellenführung in dieser Saison an 21 der 29 Spieltage innehatte, zeigt im Moment ungeahnte Schwächen. Die Nerven scheinen blank zu liegen, nachdem das Team von Trainer Abdullah Avci vor allem in den letzten beiden Spielen nach einer Niederlage gegen Besiktas (1:2) und dem Last-Minute-Remis gegen Caykur Rizespor (1:1) fünf Punkte liegen ließ. Türkische Berichte besagen, dass es nach der letzten Partie in der Umkleidekabine zwischen Kapitän Emre Belözoglu und Topscorer Edin Visca sogar zu einer lautstarken Auseinandersetzung gekommen sei.

Dennoch ist Basaksehir eine von zwei Mannschaften, die es selbst in der Hand hat, den Titel zu gewinnen. Mit einem Punktevorsprung von drei Zählern auf Platz zwei wird Basaksehir (Punktverluste der anderen Teams ausgeklammert) definitiv Meister der Saison 2018/19, wenn die Istanbuler die verbleibenden fünf Partien allesamt gewinnen. Zudem würde es Basaksehir genügen, vier Spiele zu gewinnen und gegen Galatasaray am 33. Spieltag unentschieden zu spielen. In diesen beiden Fällen ist Basaksehir unter keinen Umständen von Platz eins zu verdrängen. Sollte der Tabellenführer weitere Punkte liegen lassen in den letzten Spielen, so müsste auch die Konkurrenz patzen, damit der Süper Lig-Pokal seinen Weg in die eigene Vitrine findet.

Galatasaray in Lauerstellung – 59 Punkte

Der Titelverteidiger bleibt dem Spitzenreiter hartnäckig auf den Fersen. Obwohl es zunächst aussah, als würde man den Anschluss verlieren, konnte die Truppe von Chefcoach Fatih Terim den Abstand auf Platz eins auf drei Punkte verkürzen. In der Rückrunde ist Galatasaray noch ungeschlagen (neun Siege, drei Remis) und kann aus eigener Kraft Meister werden. Sollten die Gelb-Roten die restlichen Ligaspiele alle gewinnen – inklusive dem Stadt-Derby im Türk Telekom-Stadion gegen Basaksehir – ist der 22. Meistertitel der Klubhistorie sicher.

Sollte dies nicht gelingen, müssen die „Löwen“ darauf hoffen, das Basaksehir in einem anderen Spiel stolpert. Sollten beide Teams am Ende punktgleich sein, entscheidet nicht das Torverhältnis, sondern der direkte Vergleich zwischen den beiden Teams, wer Meister wird. Das Hinspiel im Stadion von Basaksehir endete 1:1. Bei einem weiteren Remis untereinander wäre die Anzahl der erzielten Auswärtstreffer maßgeblich (Auswärtstorregelung) für den Ausgang im Titelrennen. Bei einem 1:1 im Rückspiel und Punktgleichheit am 34. Spieltag, müsste dann wiederum das generelle Torverhältnis der Mannschaften in der Saisonabrechnung die Entscheidung bringen.

Besiktas in der Verfolgerrolle – 56 Punkte

Die Meisterschaft war für den 15-maligen Titelträger der Süper Lig quasi schon abgeschrieben. Aber dank des Drei-Punkte-Systems in der Liga hat Besiktas plötzlich wieder reelle Chancen auf den Gewinn der Süper Lig. Dafür bedarf es aber einer besonderen Konstellation und etwas Glück. Denn Basaksehir müsste gleich zweimal verlieren, einmal gegen Galatasaray und dann noch gegen einen weiteren Gegner, so zum Beispiel in Sivas. Besiktas müsste hingegen alle verbleibenden fünf Spiele siegreich bestreiten und natürlich damit auch das Derby gegen Galatasaray am 31. Spieltag der Süper Lig. Würden dann die drei Teams am Ende alle auf 71 Punkte kommen, würde erneut der direkte Vergleich untereinander den Ausschlag geben. Also in concreto, wer in diesen Paarungen untereinander die meisten Zähler gesammelt hat. In diesem beschriebenen Fall wäre dies Besiktas.

Das wäre nach der schwachen Hinrunde in der Tat ein sensationelles Comeback auf der Schlussgeraden. Doch derzeit ist das Selbstvertrauen, nach den Punktverlusten der Gegner, sehr hoch. Neben Galatasaray ist Besiktas das einzig unbesiegte Team der Rückrunde. Mit dem Istanbuler Rivalen zusammen sammelte Besiktas in der zweiten Saisonhälfte die meisten Punkte (30) und schoss die meisten Tore (34). Mit Burak Yilmaz (neun Treffer) stellt man den erfolgreichsten Torjäger der Rückrunde. Der Goalgetter macht im Moment den Unterschied für die „Schwarzen Adler“. Vielleicht wird er damit zum X-Faktor im Titelendspurt. Die Meisterschaft wäre sicherlich auch ein perfektes Abschiedsgeschenk für Übungsleiter Senol Günes, der am Saisonende Besiktas nach vier Jahren verlässt und die türkische Nationalmannschaft übernimmt.

Trabzonspor mit Außenseiterchancen – 52 Punkte

Realistisch betrachtet ist es mehr als unwahrscheinlich, dass Trabzonspor am Saisonende türkischer Meister wird. Doch mathematisch gesehen, ist dies durchaus noch möglich. Die Bordeauxrot-Blauen sind dabei auf gehörige Schützenhilfe der gesamten Süper Lig angewiesen. Die drei Istanbuler Konkurrenten, die in der Tabelle vor dem Schwarzmeer-Klub stehen, müssten alle mehrmals Punkte liegen lassen, Trabzon dagegen dafür fünf Siege einfahren.

Wenn man sich die Formkurve von Trabzonspor ansieht, sind weitere Siege nicht ausgeschlossen. Die Siegesserie von Ünal Karamans Schützlingen beträgt bereits fünf Spiele. Dazu spielt die junge Elf derzeit attraktiven und effektiven Fußball. Doch das man am Ende auf Platz eins steht, daran glaubt niemand wirklich. Zumal Trabzon in der laufenden Spielzeit nicht ein einziges Mal an der Tabellenspitze stand. Dies gelang ohnehin nur vier Mannschaften in dieser Saison: Basaksehir (21 Wochen), Galatasaray (6), Besiktas (1) und Kasimpasa (1).

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