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Türkische Handelsministerin warnt vor "Protektionismus"

9.6.2019 13:15 Uhr, von Chris Ehrhardt

Die türkische Handelsministerin Ruhsar Pekcan hat gewarnt, dass protektionistische Vorkehrungen einiger Länder gegen kurzfristige wirtschaftliche Probleme das gesamte Welthandelssystem gefährden. Auf dem G20- Ministertreffen zu Handel und digitaler Wirtschaft in Tsukuba, Japan, am 9. Juni, erklärte Pekcan, dass der Handel der Motor für die Entwicklung von Ländern darstellt und dass zunehmende Handelsspannungen und Vorkehrungen, die den Handel einschränken, ernsthafte Gefahren für die Umsetzung einer integrativen und nachhaltigen Entwicklung darstellen würden.

"Ein offenes, freies und regelbasiertes multilaterales Handelssystem ist eine Grundvoraussetzung für das Erreichen von Geschäftsvorteilen", sagte sie am zweiten Veranstaltungstag. "Es ist verständlich, dass die politischen Entscheidungsträger Schutzmaßnahmen ergreifen, um auf einige kurzfristige Herausforderungen zu reagieren. Diese Maßnahmen ebnen jedoch den Weg für einen verstärkten Protektionismus, der die globalen Lieferketten unterbricht und das Vertrauen in das System verringert. Deshalb müssen wir kluge Entscheidungen treffen. Wir können unsere Zukunft nicht für kurzfristige Interessen opfern."

Kleine und mittelständische Unternehmen unter Schutz stellen

Pekcan merkte an, dass Unternehmen die wichtigste Institution sind, die zur Erreichung nachhaltiger Wachstumsziele beiträgt und dass Investitionen für denselben Zweck unerlässlich sind. Die Ministerin der Türkei sagte ebenso, es müsse ein faires und freies Investitionsumfeld geschaffen werden. Daher sollten die Empfehlungen der B20 sorgfältig bewertet werden. Laut Pekcan sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Hauptakteure der Wirtschaft. Die Stärkung ihrer Integration in das internationale Handelssystem ist ein wichtiges Ziel der türkischen Regierung. "Daher glauben wir, dass die Unterstützung unserer KMU ein wichtiger Bestandteil integrativer Maßnahmen sein sollte", sagte sie.

In einer anderen Sitzung sagte Pekcan, das Wachstum des internationalen Handels sei die größte Kraft hinter dem Wachstum vieler Länder, aber leider haben Protektionismus und einseitige Handelszölle die globale Handelspolitik geprägt. Pekcan erklärte, dass die Einführung restriktiver Handelsmaßnahmen sich negativ auf den Lebensstandard der Weltbevölkerung und das Vertrauen zwischen Exporteuren und Investoren auswirke und sie stellte fest, dass die Unsicherheit aufgrund zunehmender Handelsspannungen der Hauptgrund für die begrenzte Zunahme von Investitionen sei. "Der G20 bietet uns eine wertvolle Plattform für die Erörterung von Strategien, die zur Linderung von Handelsspannungen beitragen könnten", sagte sie. "In der heutigen Welt, in der Produktionsprozesse global miteinander verflochten sind, hat die Bedeutung eines offenen, nicht-diskriminierenden und vorhersehbaren Handels- und Investitionsumfelds mehr denn je zugenommen."

WTO als wichtiges Element

Laut Ministerin Pekcan ist das wichtigste Element für den internationalen Handel das regelbasierte multilaterale Handelssystem, dessen Kern die Welthandelsorganisation (WTO) ist. "Es sind sofortige Maßnahmen erforderlich, um die Krise der WTO zu bewältigen", sagte die Handelsministerin. "Die Türkei ist ein überzeugter Befürworter des multilateralen Handelssystems. Wir sehen die WTO-Reformdiskussionen als Chance, die Organisation zu stärken, indem sie auf dem neuesten Stand gehalten wird."