dpa

Türkei will S-400 in Ankara aufstellen

4.7.2019 12:52 Uhr

Die türkische Regierung möchte die Raketenabwehrsysteme S-400, deren erste Teile im Juli erwartet werden, in der Hauptstadt Ankara aufstellen lassen.

Dort solle die erste Batterie installiert werden und innerhalb eines Jahres einsatzbereit sein, berichtete die Zeitung "Cumhuriyet" am Mittwoch. Bei Bedarf könne es auch woanders eingesetzt werden, da es mobil sei. Auch ein Kommandant der Luftabwehr - ein Oberst der Luftwaffe - sei ernannt worden.

Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte Ende Juni beim G-20-Gipfel in Japan angekündigt, dass Teile des russischen Waffensystems in der ersten Julihälfte in der Türkei ankommen werden. Kurz zuvor hatte er mit US-Präsident Donald Trump über das Thema gesprochen, das sich zum größten Streitpunkt im an Kontroversen nicht armen Verhältnis zwischen den beiden Nato-Partnern entwickelt hatte.

Die US-Regierung ist strikt gegen den Kauf, weil sie befürchtet, dass Russland über das System an Daten über die Fähigkeiten der neuen F-35-Tarnkappenflugzeuge gelangen könnte. Die Türkei ist Partner beim Bau und soll selber Jets bekommen. Die USA drohen der Türkei unter anderem mit dem Ausschluss aus dem F-35-Programm ab Ende Juli. Erdogan sagte allerdings nach dem Gespräch mit Trump, er rechne nicht mit Sanktionen. Zwischen strategischen Partner werde so etwas nicht geschehen.

Trump verteidigt Erdogan

Trump äußerte sich in einem Pressebriefing ausweichend und verteidigte Erdogans Entscheidung, die S-400 zu kaufen. Die Vorgänger-Regierung habe ihm nicht das amerikanische Patriot-System verkaufen wollen. Erdogan sei unfair behandelt worden.

In der "Cumhuriyet" hieß es, die Raketenabwehr werde mit einem unabhängigen Radar arbeiten und nicht an andere Systeme angeschlossen. Damit will die Türkei die Sorgen der USA lindern, dass die S-400 über die vernetzte Nato-Luftabwehr an F-35-Daten kommt.

Zur Liefermenge gibt es widersprüchliche Angaben. Russischen Informationen zufolge soll die Türkei insgesamt «vier Divisionen» für umgerechnet 2,23 Milliarden Euro erhalten. Eine "Division" habe zwölf Startanlagen mit je vier Raketen. Die «Cumhuriyet» berichtete am Mittwoch, die Türkei habe bisher «zwei S-400-Batterien» bestellt mit einer Kapazität von je 72 Raketenstarts.

(be/dpa)

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