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Türkei vor Umbruch nach Nations-League-Abstieg: "Das wird nicht einfach"

18.11.2018 17:28 Uhr, von Florian Krebl

Keine Heim-EM 2024, keine WM-Teilnahme seit 2002 - und jetzt auch noch das nächste sportliche Desaster: Die fußballverrückte Türkei ist nach ihrem Abstieg in die C-Liga der Nations League in ihrer Ehre gekränkt. Doch das 0:1 (0:0) gegen Schweden, die den Sturz in die europäische Drittklassigkeit perfekt machte, könnte im laufenden Umbruch auch ein Wendepunkt sein.

Das wird nicht einfach. Wir sind eine sehr junge Mannschaft.

Mircea Lucescu, der rumänische Trainer der Türkei, gab sich der Niederlage zum Trotz kämpferisch. "Wir werden vorankommen, wir arbeiten sehr gut", sagte er nach dem vorerst letzten Spiel der Türkei in der B-Liga in Konya: "Das wird nicht einfach. Wir sind eine sehr junge Mannschaft." Dem Team fehle also die Reife, meint der Coach. 25,8 Jahre war die Startelf um den früheren Bundesliga-Star Hakan Calhanoglu gegen Schweden im Durchschnitt alt. Es gibt im Weltfußball durchaus jüngere und bessere Teams.

Die mangelnde Erfahrung kann nur einer von vielen Erklärungsansätzen für die anhaltende Misere des türkischen Fußballs sein. Experten aus der Heimat stellen inzwischen offen die Qualität der Mannschaft infrage und scheuen dabei nicht vor Kritik an großen Namen. So sei zu akzeptieren, dass Calhanoglu ein Spieler sei, der "einmal im Jahr treffen kann", schrieb der bekannte türkische Sportjournalist Serdar Ali Celikler in der Tageszeitung Habertürk.

Gegen Schweden hatten der frühere Hamburger und Leverkusener sowie Yunus Malli vom VfL Wolfsburg beste Möglichkeiten vergeben, ehe Schwedens Kapitän Andreas Granqvist (71.) den Siegtreffer erzielte. Celikler urteilte knallhart: "Wir haben keine erstklassigen Spieler außer Cengiz."

Damit war Rechtsaußen Cengiz Ünder vom AS Rom gemeint, der die Schweden mehrmals schlecht aussehen ließ und im Internet trotz der Pleite gefeiert wurde. Um den 21 Jahre alten Tempodribbler muss die neue Mannschaft entstehen. Lucescu hat einen klaren Auftrag.

"Wir werden weiter nach neuen Spieler schauen und versuchen, ein Team aufzustellen, das für die EM-Qualifikation bereit sein wird", sagte der 73-Jährige. Nach der Pleite gegen Deutschland bei der Vergabe der EM 2024 und nun dem Abstieg braucht die Türkei das EM-Ticket für 2020 als Balsam für die geschundene Fußball-Seele.

Diese Probleme sind Anhängern Portugals und Englands derzeit fern. Als erstes Team qualifizierte sich Europameister Portugal für das Nations-League-Finalturnier in kommenden Jahr im eigenen Land, bei dem bereits EM-Startplätze ausgespielt werden. Dafür reichte in der Gruppe 3 der A-Liga ein 0:0 gegen Italien ohne Superstar Cristiano Ronaldo. Der meldete sich lediglich via Twitter mit einem Motivations-Post für seine Kameraden. Daran, dass der 33-Jährige für Finalrunde fest eingeplant ist, ließ Trainer Fernando Santos aber keinen Zweifel.

"Da gibt es nichts zu fragen. Ronaldo ist Teil dieser Mannschaft, da muss man nur den Post von heute lesen", sagte Santos. Ronaldo war nach einem Gespräch mit Verbandspräsident Fernando Gomes nicht für die Spiele mit der Nationalmannschaft nominiert worden. Genauere Gründe waren jedoch nicht bekannt.

Am Sonntag sicherte sich auch England durch ein 2:1 (0:0) gegen Vizeweltmeister Kroatien das Halbfinalticket. Torjäger und Kapitän Harry Kane machte in der 85. Minute den Erfolg des Gastgebers perfekt. Sieben Minuten zuvor hatte Jesse Lingard für den Ausgleich gesorgt, nachdem Andrej Kramaric von der TSG Hoffenheim die Gäste in der 57. Minute in Führung gebracht hatte. Für England war es auch eine gelungene Revanche für das verlorene WM-Halbfinale im Sommer, das Kroatien 2:1 nach Verlängerung gewonnen hatte.

(it/afp)