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Türkei spricht Ehefrau von IS-Anführer Cebael frei

19.4.2019 20:44 Uhr

Ein türkisches Gericht hat die Ehefrau eines IS-Anführers freigesprochen, beim Bombenanschlag von Gaziantep beteiligt gewesen zu sein. Bei dem Angriff auf eine Hochzeitsfeier in Gaziantep nahe der syrischen Grenze am 20. August 2016 wurden 57 Menschen getötet, darunter 40 Kinder.

Der Freispruch beruhte auf einer Reihe rechtlicher Gründe. Einer der Gründe war, dass die Dschihadistengruppe "Frauen nicht als Gruppenmitglieder akzeptiert." Ein Hohes Strafgericht in der zentralanatolischen Provinz Kayseri, das den Fall überwachte, fällte das Urteil. Das 4. Hohe Strafgericht von Kayseri hat sieben Verdächtige zu insgesamt 57 lebenslangen und 1582 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein Verdächtiger wurde alleine zu vier lebenslangen Haftstrafen und 227 Jahren Haft und zwei weitere Verdächtige zu 9 bis 34 Jahre Gefängnis verdonnert. Zwei weitere Verdächtige wurden freigesprochen.

Angeklagte war Ehefrau des Gaziantep-Anführers des IS

Nach Auffassung des Gerichts, kam die zwischen 20 und 25 Jahren alte Angeklagte in die Türkei und blieb im Hause des IS-Emirs von Gaziantep, Emir Mehmet Kadir Cebael bis zur Nacht des Angriffs. Das Gericht hielt ebenso fest, dass Cebael am 16. Oktober 2016 bei einem Polizeieinsatz in seiner Behausung getötet wurde.

Fingerabdrücke von Cebaels Frau, Fadile Cebael, wurden auf einer Tüte gefunden, die Material enthielt, mit dem die Bombe des Selbstmordattentates von Gaziantep hergestellt wurde, befand das Gericht. "Mein Mann brachte einige Einkäufe mit. Und ich, wie jede Hausfrau, habe die Einkäufe in den Kühlschrank gestellt und die leeren Beutel im Haus verwahrt. Aus diesem Grund waren meine Fingerabdrücke auf der Tasche", erklärte sich Fadile Cebael den Behörden.

Frauen beim IS nicht als Gruppenmitglieder akzeptiert?

In dem Urteil des Gerichts heißt es, die Anwesenheit von Cebaels Fingerabdrücken auf den Plastiktüten entspräche der "Natur ihres täglichen Lebens". Sie hatte Kontakt mit den anderen Verdächtigen, doch würden diese Kontakte nicht zwingend beweisen, dass sie aktiv an den Terrortaten des IS beteiligt habe.

"In Anbetracht der Tatsache, dass der IS Frauen nicht als Gruppenmitglieder akzeptiert - im Gegenteil, der IS betrachtet sie als Güter – ist die einzige Aufgabe von Frauen der Haushalt, die Kindererziehung und die Ehemänner im IS-Haushalt zu bedienen. Wir als Gericht sind nicht zu der Überzeugung gelangt, dass die Verdächtige die ihr vorgeworfenen Straftat begangen hat und deshalb war sie freizusprechen", befand das Gericht in seinem Urteilsspruch.

(Hürriyet Daily News)