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Türkei sieht Online-Dating angeblich negativ

17.8.2019 18:22 Uhr

Eine Studie, die von Dilsah Ece Eren und Selenga Gurmen an der Istanbuler Özyegin-Universität durchgeführt wurde, erteilt angeblich Auskunft über das Dating-Verhalten von Türken in der Türkei. Unter dem Arbeitstitel "Vergleich von Online- und Offline-Dating in Bezug auf romantische Vorstellungen, Engagement, Beziehungsverhalten und Beziehungszufriedenheit" wurden Personen befragt, die Online-Dating-Apps in der Türkei verwenden oder diese Apps ablehnen.

Es stellte sich heraus, dass 60 Prozent der Befragten zwischen 18 und 50 Jahren Online-Dating-Apps verwendeten, von denen aber nur rund 30 Prozent sagten, solche Apps seien bessere Plattformen, um jemanden kennenzulernen. Da es nur wenige Studien gibt, in denen Beziehungen verglichen wurden, die Offline oder auf Online-Plattformen begonnen wurden, könnte diese Studie als erste betrachtet werden, die die Erfahrungen der Menschen in Bezug auf Beziehungen untersucht, die in der Türkei online begonnen haben.

Online-Dating eher etwas für hochgebildete Personengruppen

Trotz der offensichtlichen Beliebtheit von Online-Dating-Apps in der Türkei ergab die Studie, dass die Ansichten und Einstellungen zu Online-Dating angeblich insgesamt negativ sind. Da es es keine früheren Studien gibt, die die Erfahrungen der Menschen mit Online-Beziehungen mit denen vergleichen, die in der Türkei von Angesicht zu Angesicht begonnen haben, ist der Wert mit Vorsicht zu genießen. Die Daten in der Studie zeigten, dass 276 Teilnehmer ihre Beziehung offline begannen und 270 Befragte über Online-Dating-Apps und soziale Medien. In der Studie waren die Teilnehmer zumeist Hochschulabsolventen.

Fast die Hälfte der Eltern der Teilnehmer hat ebenso einen Hochschulabschluss. Rund 165 Teilnehmer trafen sich über Social-Media-Sites (hauptsächlich Twitter und Instagram) und 95 über Online-Dating-Apps (hauptsächlich Tinder). "Infolgedessen konnte die vorliegende Studie keinen Unterschied zwischen diesen Gruppen feststellen". Zudem würde feststehen, dass eine größere Anzahl von Internetnutzern nicht bedeutet, dass das Online-Dating automatisch zunimmt. Der einzige auffällige Unterschied wurde in Bezug auf die romantische Erwartungshaltung zwischen Online-Dating und Offline-Dating festgestellt: Je höher die romantischen Erwartungen einer Person sind, desto oberflächlicher wird das Online-Dating empfunden.

Türkei im Wandel

Die Untersuchung ergab, dass Menschen, die Online- Dating bevorzugen, besser ausgebildet sind und Vollzeitstellen haben. Auf der anderen Seite wurde betont, dass eine andere Studie gezeigt hat, dass Menschen, die Online-Dating präferieren, angeblich eher zu ungezwungenen Beziehungen tendieren, als zur Ehe überzugehen. Es sind jedoch weitere Studien erforderlich, um diese Aussagen zu untermauern. Eren und Gurmen betonten, dass die Türkei als traditionsaffines Land bezeichnet werden kann. Die Türkei sei ein nicht-westliches Land, hat aber auch westlich ähnliche Modernisierungsaspekte. Darüber hinaus nimmt die kulturelle Vielfalt in der Türkei zu und es ist nicht möglich, über prototypische kulturelle Merkmale zu sprechen. Darüber hinaus vollziehen sich rasante soziale und kulturelle Veränderungen, die zu allgemeinen Veränderungen im Lebensstil führen.

Die Studie unterstrich, dass Kultur ein wichtiger Weg sei, um eine Beziehung zu erleben. Romantische Liebe wird in industrialisierten und technologisch entwickelten Ländern mehr bevorzugt, aber die türkische Kultur habe in den letzten 20 Jahren aufgrund der Verstädterung und des Anstiegs des Bildungsniveaus einen raschen Wandel durchlaufen. Neben verwandtschaftlichen Veränderungen habe sich im Laufe der Zeit auch die Zwecke der Internetnutzung in der Türkei verändert. Die Türkei hat neben Deutschland die höchste Anzahl an Internetnutzern in Europa.

(Hürriyet.de)

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