Türkei schlägt Weltmeister Frankreich 2:0

8.6.2019 23:13 Uhr, von Chris Ehrhardt

Noch nie in der Geschichte konnte die Türkei gegen Frankreich gewinnen. Doch diesmal ist dem Team Historisches gelungen. Der amtierende Weltmeister wurde in Konya mit 2:0 besiegt, wodurch die Türkei die Gruppenführung übernimmt. Taktisch gut positioniert und körperbetont spielend hat die Türkei dem müde agierenden Weltmeister jeden Schneid abgekauft. So war am Ende der Sieg gegen lustlose Franzosen absolut verdient.

Als man die Aufstellung des Weltmeisters sah, fragte man sich unwillkürlich, wann würde der erste Treffer für die Gäste fallen. Doch früh wurde klar, die Türkei steht hinten dicht – mit einer Sechser- oder Siebener-Kette hinten – und wollte den Weltmeister nicht ins Spiel kommen lassen. Das erste Quäntchen Glück kam bei einer Abwehrsituation, als sich ein türkischer Verteidiger selbst den Ball an die Hand kickte, die weit vom Körper gestreckt war. Doch die Pfeife des Schiedsrichters blieb still – durchatmen in Konya. Danach operierten die Türken sehr giftig, konnten mehr als 60 Prozent aller Zweikämpfe gewinnen.

Mit einer verdienten 2:0-Führung in die Pause

In der 30. Minute zahlte sich das eher destruktive Spiel der Türkei, was darauf ausgerichtet war, Frankreich keine Räume zu geben, durch einen Standard aus. Freistoß im linken Halbfeld von Cengiz Ünder, den er lang auf die rechte Seite trat. Dort fand er in Merih Demiral einen dankbaren Abnehmer, der per Kopf in die Mitte ablegte, wo der Düsseldorfer Kaan Ayhan richtig stand und den Ball mit dem Kopf ins Netz setzte – 1:0. Besonders bitte für die Les Bleus, da sie ein klares Überzahlspiel in der Box hatten und die Situation klärbar gewesen wäre.

Nur zehn Minute später klingelte es wieder im Kasten der Franzosen, die vollkommen von der Rolle waren. Umtiti verdaddelte die Pille in der 40. Minute fahrlässig und Pogba, der die Situation bereinigen wollte, wurde von Burak Yilmaz durch einen rustikalen Körpereinsatz "niedergestreckt". Mahmut Tekdemir hatte das Auge für Cengiz Ünder und der Roma-Star machte das sehr gewieft aus rund elf Metern ins lange Eck – 2:0 und Lloris war klar chancenlos. Wer nun auf ein Aufbäumen der Equipe Tricolore wartete, rieb sich verdutzt die Augen. Da kam nichts. Und so ging es mit einem 2:0 für die Türkei in die Pause.

Lustlose Franzosen schaffen es nicht, das Spiel zu drehen

In der zweiten Hälfte brachte Deschamps dann Kingsley Coman für Matuidi und Mendy für den völlig überforderten Digne. Durch Coman, den Spieler vom Rekordmeister FC Bayern München, kam dann zuerst auch etwas mehr Drive ins Spiel der Franzosen, bei denen jedoch Giroud wie ein Fremdkörper wirkte. Entweder war er im Abseits, spielte Foul oder setzte nicht anständig nach. Und auch Griezmann wirkte total neben der Spur. So baute die Türkei dann noch mehr Druck auf und Frankreich setzte dem nichts entgegen. Lloris musste sich gleich mehrfach auszeichnen, sonst wären noch mehr Tore gefallen. Und die Uhr tickte unaufhaltsam gegen Frankreich.

Kylian Mbappe lief sich wieder und wieder in der vielbeinigen türkischen Hintermannschaft fest und auch ihm fehlte jeder Biss. Paul Pogba, der die Kugeln verteilen sollte, hatte nur rund 80 Ballkontakte und eine unterirdische Zweikampfquote von 40 Prozent. Mbappe war da noch schlechter, denn er lag bei einer Zweikampfquote von knapp über 35 Prozent. Giroud kam gar nur auf 20 Prozent gewonnener Zweikämpfe. So gewinnst du in der Türkei keinen Blumentopf, wenn es um den Gruppensieg geht.

So brachte am Ende die Türkei das Ergebnis recht problemlos über die Zeit, denn ganze vier Torschüsse, die Frankreich in den 90 Minuten produzierte, sind für einen amtierenden Weltmeister wie eine Bankrotterklärung. Mit dem 2:0 hat die Türkei erstmals in ihrer Geschichte gegen Frankreich gewinnen können und das geht so in die Geschichtsbücher. Ob Frankreich nun schlecht war oder nicht – am Ende zählen Tore und Siege und Punkte.

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