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Türkei sagt dem Plastikmüll den Kampf an

3.1.2019 16:47 Uhr, von Berna Ehrhardt

Seit dem 01. Januar zahlen Türken beim Einkaufen eine Gebühr von 25 Kuruş (ca. 4 Cent) für jede Plastiktüte. Damit möchte die Türkei den Verbrauch der umweltschädlichen Plastiktüten eindämmen – schließlich verbraucht jeder Bürger im Durchschnitt 440 Plastiktüten im Jahr. Diese Zahl soll bis 2025 auf 40 gesenkt werden.

Momentan liegt die Türkei auf dem 108. Rang des Environmental Performance Index (EPI) von 2018. Dieses Ranking des Yale Center for Environmental Law and Policy analysiert die Umweltleistung von 180 Ländern. Jährlich würden hier rund 31 Millionen Tonnen Abfall produziert, von denen gerade einmal 11 Prozent recycelt würden.

Innovative Wege zum Recycling

Es sind nicht nur die Plastiktüten, die für jede Menge Müll sorgen, sondern vor allem auch leere Plastikflaschen. Denn anders als beispielsweise in Deutschland gibt es in der Türkei (noch) kein Pfandsystem – die Flaschen wandern also meistens in den Müll. Jetzt hat die Istanbuler Stadtverwaltung ein Projekt gestartet, mit dem sich das ändern soll: Istanbuler, die ihre leeren Plastikflaschen in einem speziellen Automaten zurückgeben, bekommen dafür Guthaben auf ihrer Istanbulcard gutgeschrieben. Diese Karte wird zur Bezahlung der öffentlichen Verkehrsmittel (Metro, Fähren, Busse) genutzt.

An drei der größten Metro-Stationen wurden die Pfandautomaten aufgestellt, wo man pro Flasche 0,03 Lira gutgeschrieben kriegt. Das System ist noch verbesserungswürdig – denn für eine "kostenlose" Fahrt würde man 87 Plastikflaschen oder Dosen in die Automaten werfen müssen. Angenommen wird das System trotzdem äußerst gut. Deshalb sollen demnächst auch weitere dieser Automaten in Istanbul zum Einsatz kommen.

Recycling für Straßenhunde?

Ein ähnliches Projekt hat bereits vor einiger Zeit die türkische Firma Pugedon gestartet. Die Firma bringt gleich zwei gute Taten zusammen: das Recycling und die Versorgung von Straßentieren. Alleine in Istanbul gibt es rund 150.000 Straßenhunde. Bringt man seine leeren Plastikflaschen nun zu einem der Pugedon-Automaten, kommt unten automatisch Hundefutter raus. Daneben gibt es noch ein Näpfchen, in welches die "Kunden" Wasser für die Tiere füllen können.

(Bild: Pugedon)

Die Pugedon-Automaten gibt es mittlerweile nicht nur in Istanbul, sondern auch in vielen weiteren türkischen Städten wie Bursa, Uşak, Antalya, Izmir oder Yalova.

(Bild: Hürriyet)

So einfach wird die Umstellung dann doch nicht?

Dass die Türken plötzlich für Plastiktüten bezahlen sollen, trifft natürlich nicht überall auf Zustimmung. Wie bei dem Fall, der momentan die sozialen Medien in der Türkei zum Schmunzeln bringt: ein Kunde eines Billig-Discounters sah, dass auf seinem Kassenbon auch die 25 Kuruş für seine Plastiktüte aufgeführt waren. Er ging mit seinen Einkäufen nach Hause, leerte die Tüte aus und ging anschließend zurück in den Laden. Dort monierte er, dass er mit der Plastiktüte nicht zufrieden sei und diese zurückgeben wolle. Er erhielt daraufhin seine 25 Kuruş zurück. Aber immerhin landete die Tüte so nicht im Müll.

"Unzufrieden" mit der Tüte? Einfach zurückbringen! (Bild: Twitter.com)