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Türkei ermittelt wegen Ghosn-Flucht

2.1.2020 10:27 Uhr

Ex-Automanager Carlos Ghosn soll bei seiner Flucht aus Japan in den Libanon über Istanbul gereist sein. Dies hat auch die türkischen Ermittler auf den Plan gerufen. Sieben Menschen wurden für Befragungen festgenommen, darunter vier Piloten, einen Mitarbeiter einer Cargo-Firma und zwei Mitarbeiter des Flughafen-Bodenpersonals.

Ghosn war in einem Privatjet von Japan über Istanbul in den Libanon geflogen; der türkische Nachrichtensender NTV berichtete am Donnerstag, das Innenministerium habe Ermittlungen dazu angeordnet, wie Ghosn die Türkei als Durchreiseland habe nutzen können. Laut der türkischen Nachrichtenagentur DHA wurden sieben Menschen in Istanbul zur Befragung festgenommen.

Drei Staatsangehörigkeiten, vier Pässe

Der Ex-Topmanager Ghosn besitzt die französische, die brasilianische und die libanesische Staatsangehörigkeit. Er benutzte bei seiner Flucht nach AFP-Informationen einen von zwei französischen Pässen. Frankreichs Regierung erklärte am Donnerstag, sie würde Ghosn nicht ausliefern, sollte er dorthin einreisen. "Wenn Monsieur Ghosn in Frankreich ankommt, werden wir ihn nicht ausliefern, weil Frankreich niemals seine Staatsbürger ausliefert", sagte Wirtschafts-Staatssekretärin Agnès Pannier-Runacher im Sender BFM.

Fluchtabsicht immer bestritten

Ghosn war im November 2018 in Japan festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem vor, Firmenkapital zweckentfremdet und private Verluste auf Nissan übertragen zu haben. Er saß rund vier Monate in Haft, war aber im Frühjahr unter strikten Auflagen aus der Haft entlassen worden. Für das kommende Frühjahr war der Beginn seines Prozesses in Japan angesetzt. Doch der frühere Spitzenmanager setzte sich trotz eines Ausreiseverbots in den Libanon ab. Ghosns Verteidiger hatten mehrfach versucht, ihren Mandanten gegen Zahlung einer Kaution frei zu bekommen. Sie scheiterten zunächst damit, weil die Staatsanwaltschaft Fluchtgefahr sah. Ghosn hatte eine Fluchtabsicht bestritten und erklärt, er wolle sich vor Gericht verantworten, um seine Unschuld zu beweisen. Seine Anwälte argumentierten zudem, er sei viel zu bekannt, um unerkannt das Land verlassen zu können.

(be/afp/dha)

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