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Besteht Türkei den Härtetest gegen Weltmeister Frankreich?

7.6.2019 18:45 Uhr, von Chris Ehrhardt

Am Samstag den 08. Juni muss die Nationalelf der Türkei in Konya gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich in der Qualifikation zur Euro 2020 antreten. Beide Teams haben bisher acht Punkte auf dem Konto, doch Frankreich das bessere Torverhältnis. Kann die Türkei der Equipe Tricolore ein Bein stellen? Eher nicht.

Die Türkei geht mit dem neuen Trainer Senol Günes, der bisher Nationalmannschafts-Coach und Übungsleiter bei Besiktas Istanbul in Personalunion war, an den Start. Günes leitete bereits einmal die Geschicke der türkischen Nationalmannschaft und holte 2002 den dritten Platz bei Weltmeisterschaft. Doch damals hatte Günes Spieler wie Rüstü Recber, Alpay Özalan, Hasan Sas, Ümit Davala, Hakan Sükür, Ilhan Mansiz, Yildiray Bastürk, Tugay Kerimoglu und einen jungen Emre Belözoglu im Team. Und damals machte Hakan Sükür im Spiel um den dritten Platz gegen Gastgeber Südkorea in der elften Spielsekunde bereits den Führungstreffer – ein WM-Rekord, der bis heute Bestand hat. Eine Substanz, die das Team heute eher nicht vorweisen kann.

Von bedeutungslosen Siegen gegen Fallobst nicht blenden lassen

Seit der Rückkehr des 67-Jährigen auf den Trainerstuhl der Türkei hat seine Mannschaft vier von vier möglichen Siegen geholt - gegen Griechenland und Usbekistan in Freundschaftsspielen und gegen Albanien und Moldawien in der EM-Qualifikation. Diese beiden Siege brachten die Türkei punktetechnisch mit Frankreich auf Augenhöhe – wobei die Les Bleus allerdings auch Island klar schlugen und damit einen Mitfavoriten in der Gruppe.

Nach einem dem 2:0-Sieg gegen Usbekistan am 2. Juni räumte Günes ein, dass sich das Spiel der Mannschaft nachhaltig verbessern müsse, wolle man mit den Franzosen mithalten. "Unsere Spielstruktur und das heutige Tempo muss verbessert werden, sonst wird es gegen Frankreich nicht ausreichen", sagte er. "Die Spieler wissen es und ich weiß es, deshalb werden wir anders spielen. Gegen eine viel bessere Mannschaft sollten wir in der Lage sein, sowohl defensiv als auch offensiv zu agieren."

Kader der Les Bleus hat den siebenfachen Wert der Türkei

Einer Der Stars im französischen Team ist Blaise Matuidi, Mittelfeldspieler beim Meister der italienischen Serie A Juventus Turin. Er sagte vor dem Match, dass die Türkei natürlich einen gewissen Heimvorteil haben wird. "Es wird ein Match in einer Atmosphäre, in der man vorsichtig sein muss, denn dort zu spielen ist mit dem Druck ihrer Unterstützung nie einfach", sagte er. Doch wenn man sich den Kader des Weltmeisters anschaut, kann der Spielort Konya nicht als Ausrede gelten. Hugo Lloris von Tottenham, Samuel Umtiti vom FC Barcelona, Raphael Varane von Real Madrid, N'Golo Kanté vom FC Chelsea, Blaise Matuidi von Juve, Paul Pogba von Manchester United, Moussa Sissoko von den Tottenham Hotspur, Kingsley Coman vom FC Bayern München, Olivier Giroud von Chelsea, Antoine Griezmann von Atletico Atletico Madrid oder Kylian Mbappe von Paris St Germain sind allesamt Fußballer von Weltruf. Der französische Kader hat einen Marktwert von mehr als 1,3 Milliarden Euro. Mit Glück und viel an Wohlwollen erreicht der türkische Kader einen Gesamtwert von 200 Millionen Euro.

Ist das Spiel dann ohne Belang? Nein. Es gilt natürlich, dass man sich gegen Frankreich gut verkauft und so möglicherweise eine Botschaft an die Wikinger aus Island sendet, gegen die man danach antreten muss und mit denen man sich um den zweiten Platz streiten wird. Nach Siegen gegen Albanien und Moldawien bereits davon zu fantasieren, man sei sicher bei der Euro 2020 dabei, ist mehr als vermessen. Nicht nur aufgrund des fast siebenfachen Marktwertes des französischen Laders geht die Equipe Tricolore als klarer Favorit in das Spiel. Schon eine Niederlage mit zwei Toren sollte Senol Günes als echten Erfolg werten. Zumal die Türkei noch nie hat gegen die Les Bleus gewinnen können. In vier Spielen gab es vier Niederlagen und dabei wurden dem türkischen Team satte zwölf Tore eingeschenkt – bei nur zwei geschossenen Toren. Jeder Glaube an ein Remis oder gar einen Heimsieg wäre schon weit über Zweckoptimismus hinaus.

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