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Syrien: USA wollen Dschihadistin nicht zurücknehmen

20.2.2019 22:24 Uhr

Da forderte US-Präsident Trump, dass Deutschland und Europa gefangene Dschihadisten zurücknehmen, aber wenn es um die "eigenen" Gefangenen geht, gelten anscheinend andere Regeln. Die USA haben jetzt die Rücknahme einer Dschihadistin abgelehnt, die nach Angaben ihres Anwalts in den Vereinigten Staaten geboren wurde.

Außenminister Mike Pompeo erklärte am Mittwoch zum Fall der jungen Frau, bei ihr handle es sich "nicht um eine US-Bürgerin, und sie werde nicht in die Vereinigten Staaten hineingelassen". Die 24-jährige Hoda Muthana hatte sich kurdischen Kämpfern gestellt, die mit den USA verbündet sind. In einem am Sonntag veröffentlichten Gespräch mit der britischen Zeitung "Guardian" äußerte sie den Wunsch, in die USA zurückzukehren. Sie zeigte Bedauern darüber, Online-Propaganda für die IS-Miliz gemacht zu haben. Pompeo aber teilte in Washington mit, Muthana habe keine "rechtliche Grundlage" für die Rückkehr. Sie habe weder einen gültigen US-Reisepass noch einen Anspruch darauf. Auch verfüge sie über kein US-Visum.

Verbrannte Reisepässe

Muthana hatte vor einigen Jahren ein Foto im Internet veröffentlicht, das sie und andere Frauen offensichtlich dabei zeigt, wie sie ihre westlichen Reisepässe verbrennen. Um die Frage von Muthanas Staatsbürgerschaft könnte es allerdings potenziell noch juristischen Streit geben. Pompeos Angaben widersprechen denen ihres Anwalts. Muthana sei 1994 im US-Bundesstaat New Jersey geboren, sagte der Anwalt Hassan Shibly der Zeitung "USA Today". In den Vereinigten Staaten geborene Menschen erhalten im Normalfall die US-Staatsbürgerschaft. Der Verlust oder Entzug der US-Staatsbürgerschaft aber ist ein rechtlich komplexer Vorgang. Der Pass ist ein bloßes Reisedokument, seine absichtliche physische Vernichtung reicht also für den Verlust der Staatsbürgerschaft nicht aus. Nach Angaben des Antiterrorismus-Projekts an der George Washington Universität ist Muthana die Tochter von Einwanderern aus dem Jemen. Sie ging 2014 nach Syrien.

Aufrufe zum Mord an US-Bürgern

In den Online-Netzwerken rief sie zum Mord an US-Bürgern auf und glorifizierte den IS.Muthana beschreibt sich als Opfer von Gehirnwäsche und sagt, sie schäme sich heute für ihre Unterstützung für die Islamisten. Sie war nach eigenen Angaben drei Mal mit einem Dschihadisten verheiratet und hat einen kleinen Sohn. In Syrien sitzen hunderte ausländische IS-Kämpfer und ihre Angehörigen in kurdischer Haft. US-Präsident Donald Trump hatte am Wochenende Deutschland, Frankreich, Großbritannien und andere europäische Staaten aufgerufen, ihre Staatsbürger aus Syrien zurücknehmen und in Europa vor Gericht zu stellen. In Deutschland wie anderen Ländern löste dies eine Debatte über den Umgang mit Dschihad-Rückkehrern aus.

(be/afp)