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Syrien: Amerikanische Truppen ziehen ab

11.1.2019 14:33 Uhr

In Syrien hat das amerikanische Militär mit dem Abzug begonnen, dies gab die von USA geführte Militärkoalition gegen Dschihadisten. Aus Sicherheitsgründen würden keine Angaben zum Zeitplan, zu konkreten Orten oder Truppenbewegungen gemacht, erklärte ein Sprecher des Bündnisses am Freitag. Laut Aktivisten verließen erste US-Militärfahrzeuge den Stützpunkt Rmeilan in der nordöstlichen Provinz Hasakeh.

Die Anti-IS-Koalition habe "den Prozess des gezielten Abzugs aus Syrien begonnen", erklärte der Sprecher, Oberst Sean Ryan. Die Erklärung erfolgte weniger als einen Monat nach der überraschenden Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, alle 2000 US-Soldaten aus dem Bürgerkriegsland abzuziehen, da der Kampf gegen die IS-Miliz gewonnen sei. US-Verteidigungsminister Jim Mattis trat daraufhin aus Protest zurück.

Angesichts von Kritik seiner Berater und Verbündeten schränkte Trump inzwischen seine Ankündigung ein und erklärte, der Abzug werde "vorsichtig" und in "angemessenem Tempo" vollzogen. Es wurde befürchtet, dass ein überstürzter Abzug der IS-Miliz erlauben würde, sich erneut zu sammeln. Insbesondere Israel befürchtete zudem, dass die USA mit einem voreiligen Abzug dem Iran und Russland das Feld in Syrien überlassen würden.

Türkei begrüßt Entscheidung

Die Türkei dagegen begrüßte die Entscheidung. Sie kritisiert schon seit Jahren die Unterstützung der USA für die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die IS-Miliz. Ankara sieht die syrische Kurdenmiliz als Bedrohung, da sie eng mit der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbunden ist, die seit Jahrzehnten gegen den türkischen Staat kämpft. Ankara ist wiederholt militärisch gegen sie vorgegangen.

Angesichts von Drohungen von Präsident Recep Tayyip Erdogan mit einer neuen Offensive gegen die YPG, machte Trumps Sicherheitsberater John Bolton am Sonntag einen Abzug der Truppen von Garantien der Türkei für die Sicherheit der Kurdenmiliz abhängig. Bei einem Besuch in Ankara am Dienstag stieß Bolton damit aber auf scharfe Ablehnung, und Erdogan nannte seine Bedingung in einer wütenden Rede "nicht akzeptabel".

Die Türkei warf Bolton und anderen Regierungsvertretern vor, Trumps Entscheidung zum Abzug zu unterlaufen. US-Außenminister Mike Pompeo betonte bei einem Besuch in Kairo am Donnerstag dann, die Entscheidung gelte weiter. Die Erklärung der Anti-IS-Koalition bestätigte dies nun. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte verließen am Donnerstag erste US-Militärfahrzeuge den Stützpunkt Rmeilan im Nordosten Syriens.

Noch kontrolliert der IS mehrere Dörfer an der Grenze zum Irak

Es seien die ersten Truppen, die Syrien seit Trumps Ankündigung vor Weihnachten verlassen, erklärte die oppositionsnahe Organisation, die sich auf ein Netzwerk von Aktivisten vor Ort stützt. Die US-geführte Anti-IS-Koalition unterhält mehrere Stützpunkte in Syrien. Ob die ebenfalls in Syrien eingesetzten französischen und britischen Spezialkräfte nach einem Abzug der US-Truppen im Land bleiben, ist unklar.

Noch kontrolliert die IS-Miliz mehrere Dörfer an der Grenze zum Irak sowie Teile der weitläufigen Badija-Wüste. Trump hat versichert, dass die USA den Kampf von ihren Stützpunkten im Irak fortführen würden. Nach Ansicht von Beobachtern hat die Ankündigung zum Abzug bereits das Kräfteverhältnis verändert. "Der Schaden ist angerichtet. Vor Ort ist die Ankündigung zum Abzug so, als wäre er bereits erfolgt", sagte der Syrien-Experte Fabrice Balanche.

(an/afp)