Hürriyet Daily News

Syrer kehren aus Angst vor dem Coronavirus nach Idlib zurück

15.4.2020 14:43 Uhr

Fahrzeuge mit Gegenständen von Bürgerkriegsvertriebenen aus Syrien fahren derzeit in Kolonnen von der Grenze zur Türkei zurück zu ihren Häusern nach Idlib. Die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus ist größer als die Angst vor weiteren kriegerischen Handlungen. Darum verlassen die Syrer die überfüllten Lager in Dayr Ballut. Das betrifft aktuell Tausende vertriebene Syrer, die so einem Chaos durch Covid-19 entgehen wollen.

Ungefähr eine Million Syrer flohen im vergangenen Jahr aus Idlib und der umliegenden Landschaft im Nordwesten Syriens, nachdem die von Russland unterstützten Regierungstruppen eine Kampagne zur Rückeroberung der letzten Rebellenhochburg nach neun Jahren Krieg verstärkt hatten. Die Kämpfe haben sich seit März beruhigt, als Ankara und Moskau einen Waffenstillstand ausgehandelt hatten. Im Nordwesten Syriens gibt es zwar noch keinen offiziell bestätigten Fall des Coronavirus, aber Ärzte befürchten, dass die zerstörte medizinische Infrastruktur der Region und die überfüllten Lager jeden Ausbruch schnell in eine humanitäre Katastrophe verwandeln würden.

Während der Waffenstillstand in der Region weiterhin Bestand hat, ziehen es die vertriebenen Syrer in Grenznähe offensichtlich vor, in ihre Häuser zurückzukehren, anstatt sich in den Lagern der Infektionsgefahr auszusetzen. Auch wenn im Lande immer noch die Gefahr besteht, dass Konflikte erneut in Blutvergießen enden könnten. "Unser Leben geht von Gefahr zu Gefahr, wenn wir vor Bombenangriffen, dem Regime und militärischen Konflikten, vor Überfüllung der Lager und vor dem Coronavirus fliehen", sagte Abu Abdo, 45 Jahre alter Syrer. Am 12. April kehrte Abdu mit seiner siebenköpfigen Familie in ein Dorf auf dem Land in Idlib zurück. "Hier gibt es landwirtschaftlich genutztes Land, die Luft ist sauber und es gibt keine Überlastung - aber es ist immer noch ein gefährliches Gebiet", sagte er.

Fast 104.000 Menschen sind nach Syrien zurückgekehrt

Mit Matratzen und Haushaltsgeräten vollgestapelte Lieferwagen und Lastwagen verstopften am Sonntag eine Straße, die sich nach Süden durch die Provinz Idlib schlängelte, als Familien, die nur wenige Monate zuvor durch Luftangriffe vertrieben worden waren, zurückkehren wollten. "Wir befürchten, dass es wieder zu einer Eskalation des Regimes kommen wird, aber das Leben in der Stadt in unserem Haus ist besser als Vertreibung und schlechte Bedingungen", sagte Fayez al-Assi, 49 Jahre alt, der aus Jabal al-Zawiya südlich von Idlib stammt und vor knapp drei Monaten floh.

Die Syrian Response Coordination Group, eine Hilfsorganisation im Nordwesten Syriens, sagte, 103.459 Syrer seien seit dem Waffenstillstand in die Städte Aleppo und Idlib zurückgekehrt. "Selbst wenn es zu Bombenangriffen kommt, haben wir keine Angst davor. Wir haben uns daran gewöhnt", sagte Zakaria Shawish, 25 Jahre alt, aus der Stadt Ariha südlich von Idlib. "Hier unter den Bombenangriffen zu sitzen ist besser, als in den Lagern zu bleiben und kein Zuhause zu haben."

(ce)

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