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Sule-Cet-Prozess: Neue Tatortuntersuchung soll Aufklärung bringen

19.7.2019 10:31 Uhr

Die Studentin Sule Cet starb im Mai 2018 an den Folgen eines Sturzes aus dem 20. Stockwerk des Plaza Gebäudes in Ankara, das Verfahren dauert an. Die junge Frau soll durch Fremdeinwirkung aus dem Fenster des untersuchten Büros gestürzt worden sein. Heute erfolgte eine zweistündige Tatortuntersuchung durch Spurensicherungsexperten. Hinweise zum Tathergang könnten Flecken an Wänden und Böden der zwei Räume bringen, hierzu wurden Proben der verdächtigen Stellen entnommen.

Die 23-jährige studierte an der Gazi Universität, als sie am 29. Mai des letzten Jahres um 3.50 Uhr aus der 20. Etage des Hochhauses stürzte. Die beiden Männer Cagatay Aksu und Berk Akand stehen im Verdacht, die Studentin aus dem Fenster gestoßen zu haben. Sie befinden sich in Untersuchungshaft. Die Anwälte der Familie Cet legten zur letzten Verhandlung ein gerichtsmedizinisches Gutachten der Mersin Universität vor. Daraus ging hervor, dass sich auf dem Teppich des Tatortes Blut, Speichel oder Sperma bzw. ähnliche biologische Substanzen nachweisen ließen. Das Gericht beschloss zu deren Feststellung eine eingehende Untersuchung des Tatortes anzuordnen.

Proben gesichert

Unter Aufsicht des beauftragten Richters wurden im Rahmen der zweistündigen Untersuchung Proben verschiedener verdächtiger Flecken an Wänden und Böden des Dienstraums sowie Ruheraums entnommen. Zudem fand sich auf einem Kissen des Ruheraums eine weitere Substanz, die ebenfalls ins Labor geschickt wurde.

Ferhat Gebes, der Anwalt der Familie Cet, äußerte sich nach der Verhandlung gegenüber der Presse, dass sich das Gutachten, erstellt durch die Professoren Dr. Hakan Kar und Dr. Halik Dokgöz, in vollem Umfang auf jene Flecken beziehe, die während der Tatortbegehung am 17. Juni festgestellt worden wind. Zudem seien genau diese verdächtigen Flecken auf Fotos und Videoaufnahmen zu sehen, die unmittelbar nach dem Tatzeitpunkt aufgenommen wurden. Zur Vorgehensweise erläuterte Gebes: "In diesem Zusammenhang wurden durch die Sachverständigen und Experten Proben gesichert. Es wurde sehr detailliert gearbeitet. Wir sind überzeugt, dass diese Ergebnisse neue Aufschlüsse für das Verfahren bringen werden. Wir haben keine Kenntnisse zu Bestandteilen oder Eigenschaften der gefundenen Substanzen. Was jedoch feststeht, ist die Tatsache, dass es sich um dieselben Flecken handelt, die schon wenige Tage nach dem 29. Mai zu sehen waren. Erst die Laboruntersuchungen werden uns über die Bestandteile Sicherheit geben können.“

Keine Probenentnahme während Befragungszeitraum

Auf eine Frage hin antwortete Rechtsanwalt Gebes, dass es keine Untersuchung der Flecken zum Befragungszeitraum gab. Er fügte hinzu: "Das sind jetzt die allerersten Proben. Und, wie diese Untersuchung zeigt, hätte man vielleicht bessere Ermittlungsergebnisse erhalten, wenn man das früher gemacht hätte. Wir konnten dies erst während der Tatortbegehung am 17. Juni feststellen. Uns lagen Fotos des Tatortes vor. Als wir bemerkten, dass diese Flecken auch zu jenem Zeitpunkt schon vorhanden waren, haben wir die beiden Professoren der Mersin Uni beauftragt, ein Gutachten auszuarbeiten und damit die weitere Untersuchung der Flecken beantragt. Das Gericht hat dem stattgegeben, daraufhin folgte die heutige Spurensicherung.“

Im Dienst- und Ruheraum

Gebes gab an, wo sich die verdächtigen Flecken genau befanden. Sie seien im Dienstraum links und rechts der Beistelltische, sowie zwischen den Sofas zu finden gewesen. Des weiteren hätte man im Ruheraum auf einem Kissen und an der Wand Spuren gesichert.

Der Schlussteil des gerichtsmedizinischen Gutachtens formulierte klar die Notwendigkeit der Sicherung und Laboruntersuchung der benannten Flecken:

"Insbesondere Textilien wie Teppiche oder Stoffe saugen biologische Substanzen wie Blut, Speichel oder Sperma auf. Sie trocknen und sind, auch nach langer Zeit, nachweisbar. Diese Kenntnis liegt der Gerichtsmedizin vor. Wir sind der festen Auffassung, dass eine Labor- und DNA-Untersuchung der durch uns festgestellten Flecken, sowie ein genetischer Abgleich der Resultate mit der Ermordeten und den Angeklagten zu bedeutenden Beweisen in diesem Prozess beitragen wird."

(be)

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