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Suche nach Antworten zu Tanker-Attacken

15.6.2019 12:14 Uhr

Die USA machen den Iran für die mysteriösen Attacken auf zwei Tanker im Golf von Oman verantwortlich - aber nicht jeder glaubt an diese Theorie. Viele Fragen bleiben offen - und die Angst vor einer militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran schwebt im Raum.

US-Präsident Donald Trump untermauerte am Freitag die US-Sichtweise und sagte in einem Interview mit dem Sender Fox News: "Der Iran hat es getan."

Der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan stellte in Aussicht, die US-Regierung wolle bald weitere Belege für ihre Einschätzung veröffentlichen, um international Konsens in der Frage herzustellen. Mehrere andere Staaten und internationale Organisationen hielten sich dagegen mit Schuldzuweisungen ausdrücklich zurück und forderten eine genaue Untersuchung der Vorfälle. Der Iran wies jede Schuld von sich.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Die "Front Altair" geriet nach Explosionen in Brand. Auch der japanische Betreiber der "Kokuka Courageous" berichtet von zwei Detonationen. Die genauen Umstände blieben zunächst aber unklar.

Die Straße von Hormus als "Tatort"

Die betroffene Meerenge im Golf von Oman, die Straße von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestraßen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. An den Märkten herrschte Unsicherheit angesichts der Krise.

Die USA beschuldigen den Iran, für die mutmaßlichen Angriffe verantwortlich zu sein. US-Außenminister Mike Pompeo hatte noch am Donnerstag erklärt, US-Erkenntnissen zufolge stecke der Iran dahinter. Er sprach von einer "nicht hinnehmbaren Eskalation". Dem Land gehe es darum, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen.

Auch Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe und sprach von "Terroroperationen". Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran. Es wirft dem Iran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Iran widerspricht Anschuldigungen

Der Iran wies die Anschuldigungen scharf zurück. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere, hieß es aus dem Außenministerium in Teheran. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA vor, die Vorfälle als Vorwand zu nehmen. "Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanischen B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat", schrieb Sarif auf Twitter.

Mit dem B-Team meint Sarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

Video liefert keine klaren Belege

Die US-Regierung hatte am Donnerstag zur Untermauerung der Vorwürfe gegen den Iran ein Video präsentiert, das nach der Explosion spielt. Es soll zeigen, wie ein Schnellboot vom Typ "Gaschti" der iranischen Revolutionsgarden auf den Tanker "Kokuka Courageous" zufährt und die Besatzung eine nicht explodierte Haftmine vom Tankerrumpf entfernt. Eine mögliche Erklärung wäre die Bergung des Sprengstoffes.

Trump verwies am Freitag auf dieses Video und sagte: "Nun ja, der Iran hat es getan, und sie haben es (...) getan, weil man das Schiff gesehen hat." Er fügte hinzu: "Sie wollten nicht, dass Beweise zurückbleiben."

Das Video soll die US-These einer iranischen Urheberschaft bestätigen, liefert tatsächlich jedoch keine klaren Belege. Von vielen Seiten kamen Warnungen vor voreiligen Schlüssen.

EU hält sich bedeckt

Die EU gab sich in Sachen Schuldzuweisungen vorsichtig. "Wir sind dabei, die Lage zu bewerten und Informationen zu sammeln", sagte ein EU-Beamter am Freitag in Brüssel. UN-Generalsekretär Antonio Guterres sprach sich für unabhängige Untersuchungen aus. "Es ist sehr wichtig, die Wahrheit zu kennen. Und es ist sehr wichtig, dass Verantwortlichkeiten geklärt werden", sagte er nach einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Ahmed Abul Gheit.

Auch der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu warnte - wie beispielsweise auch China - vor übereilten Reaktionen und forderte eine ernsthafte Untersuchung. Die UN-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf.

Die britische Regierung stellte sich dagegen an die Seite der USA. Außenminister Jeremy Hunt äußerte die Überzeugung, dass die mutmaßlichen Angriffe vom Iran, von dessen Revolutionsgarden, ausgeführt wurden. Beweise legte aber auch Hunt nicht vor.

Der Fernsehsender CNN meldete am Freitag unter Berufung auf nicht näher genannte Kreise, in den Stunden vor den mutmaßlichen Attacken hätten sich iranische Boote laut Aufnahmen einer amerikanischen Drohne den Tankern genähert. Offizielle Angaben gab es dazu nicht.

"Internationaler Konsens"

Shanahan sagte am Freitag in Washington, die US-Regierung sei bemüht, möglichst viele Informationen zur Untermauerung ihrer Einschätzung freizugeben und diese schnell zu veröffentlichen. Der Fokus liege darauf, "internationalen Konsens" in der Frage herzustellen. Es handele sich um ein internationales Problem und nicht um ein amerikanisches. Er betonte zugleich, es sei nötig, Notfallpläne zu erstellen, falls sich die Lage verschärfe.

Bislang betont die US-Regierung, Ziel sei, den Iran durch diplomatische und wirtschaftliche Bemühungen zum Umsteuern zu bewegen. Auch Trump betonte am Freitag mit Blick auf den Iran: "Wir wollen sie zurück an den Verhandlungstisch holen, wenn sie zurückkommen wollen. Ich bin bereit, wenn sie es sind", sagte er. "In der Zwischenzeit bin ich nicht in Eile."

Die US-Regierung war vor gut einem Jahr im Alleingang aus dem internationalen Atomabkommen mit dem Iran ausgestiegen und versucht, das Land mit wuchtigen Wirtschaftssanktionen unter Druck zu setzen, um eine neues, strengeres Abkommen auszuhandeln. Der Iran machte bislang aber keine Anstalten, sich dem Druck zu beugen.

(be/dpa)

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