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Sturz von Nahles wäre Selbstzerstörung der SPD

1.6.2019 10:48 Uhr

Laut Medienberichten hat der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse die SPD-Bundestagsabgeordneten gewarnt, Andrea Nahles zu stürzen. "Nachdem die SPD in ihrer großen und langen Geschichte mit Andrea Nahles zum ersten Mal eine Frau an ihre Spitze gewählt hat – welches Zeichen ist es, wenn diese Frau nach einem Jahr wieder gestürzt wird", schreibt Thierse dem "Tagespiegel" zufolge in einem Appell an die SPD-Abgeordneten.

"Wer als Partei glaubwürdig für eine Politik der Solidarität eintreten will, der muss selbst Solidarität vorleben – sonst betreibt er Selbstzerstörung unserer Partei." Die existenzbedrohliche Situation der SPD zu personalisieren, sei der bequeme Weg. Thierse forderte stattdessen, den "Identitätskern der SPD" wieder sichtbar zu machen.

Vorzeitige Neuwahlen nach Europawahl-Desaster

Partei- und Fraktionschefin Nahles will sich nach dem Desaster der SPD bei der Europawahl kommenden Dienstag in der Fraktion einer vorzeitigen Neuwahl stellen. Viele Abgeordnete fühlten sich von ihrem überraschenden Schritt überrumpelt. Als wahrscheinlich gilt, dass viele Abgeordnete Nahles ihre Stimme auch ohne Gegenkandidaten verweigern. Im Falle einer Niederlage könnte sich Nahles auch vom Parteivorsitz zurückziehen.

Der SPD-Parlamentarier Bernd Westphal sagte der "Rheinischen Post", er sehe am Dienstag keine Mehrheit für Nahles. "Das höre ich von sehr vielen SPD-Abgeordneten, aber auch von der Parteibasis, die einen Neuanfang ohne Andrea Nahles fordern." Auch wenn
sich bis Dienstag kein Gegenkandidat mehr melde, könne Nahles abgelöst werden. "Entweder sie übernimmt jetzt selbst die Verantwortung für die Verluste bei der Europawahl und tritt vorher zurück. Oder sie muss am Dienstag eine Niederlage einstecken", so Westphal. "Dann wird sich ein anderer Kandidat oder Kandidatin zur Verfügung stellen."

(an/dpa)