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Studenten in Algerien: "Bouteflika hau' ab!"

4.3.2019 12:49 Uhr

20 Jahre sind genug - zumindest für die junge und gebildete Generation in Algerien. Wieder waren hunderte Studenten auf den Straßen in Algier und forderten Präsident Abdelaziz Bouteflika auf, endlich "abzuhauen" und den Weg frei zu machen.

In Algerien ist kein Ende der Proteste gegen die neuerliche Kandidatur von Präsident Abdelaziz Bouteflika in Sicht. Am späten Sonntagabend gingen in der Hauptstadt Algier hunderte Studenten auf die Straße und forderten den Rückzug des 82-jährigen Präsidenten. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, um die Demonstranten vom Sitz des Verfassungsrats fernzuhalten. Dort hatten Bewerber bis Mitternacht (Ortszeit) ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl einreichen können.

Neue Kundgebungen gegen den Präsidenten wurden auch aus den algerischen Städten Annaba, Oran und Constantine gemeldet. Der gebrechliche Bouteflika hatte seine Kandidatur für eine fünfte Amtszeit am Sonntag beim Verfassungsrat einreichen lassen. Zuvor ließ er mitteilen, dass er das Präsidentenamt im Fall der Wiederwahl vor Ablauf des Mandats aufgeben wolle. Dieses Zugeständnis besänftigte seine Kritiker allerdings nicht. Demonstrierende Studenten riefen am Sonntagabend nahe des Campus in Algier Parolen wie "Bouteflika hau' ab!"

Der wache Verstand eines 20-Jährigen im Körper eines 82-Jährigen

Bouteflika regiert das Land seit fast 20 Jahren. Derzeit befindet er sich in einer Genfer Klinik. Am Sonntag verlas das Staatsfernsehen einen Brief des Präsidenten. Wenn er bei der Wahl im Amt bestätigt werde, solle eine "nationale Konferenz" einen Termin für eine vorgezogene Wahl festsetzen, bei der er nicht mehr antreten werde, hieß es. Zeiträume wurden nicht genannt. Weiter hieß es in dem Brief: "Ich habe zugehört und die Rufe aus den Herzen der Demonstranten vernommen und insbesondere der Tausenden jungen Menschen, die an mich wegen der Zukunft unserer Heimat appelliert haben." Der 82-jährige Bouteflika hat sich seit einem Schlaganfall vor sechs Jahren weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und sitzt im Rollstuhl. Kritiker halten den gebrechlichen Staatschef daher für eine Marionette seines Umfeldes.

Algeriens Botschafter in Frankreich wies dies am Montag zurück. Der Präsident habe "zwar nicht mehr die Gesundheit eines 20-Jährigen", sagte Abdelkader Mesdoua dem Sender CNews. "Er hat aber den Verstand eines 20-Jährigen." Der Präsident treffe die wichtigen Entscheidungen selbstständig, beteuerte der Botschafter. Neben Bouteflika ließ sich unter anderem der pensionierte General Ali Ghediri für die Präsidentenwahl im April registrieren. Der bei jungen Menschen beliebte Geschäftsmann Rachid Nekkaz kündigte ebenfalls seine Kandidatur an, allerdings gilt es als zweifelhaft, dass er die formellen Bedingungen für die Zulassung seiner Kandidatur erfüllt.

Die Hälfte der algerischen Bevölkerung ist unter 30 Jahre alt. In dem autoritär geführten Maghreb-Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme: Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Zwar kündigte Bouteflika Reformen an, als der Arabische Frühling 2011 die Region erschütterte. Menschenrechtsgruppen kritisieren aber weiterhin eine Unterdrückung von Opposition und Medien.

(ce/afp)