epa/David Hecker

Streit über Sinn und Zweck von Übungen entbrannt

26.6.2019 7:06 Uhr

Nach dem Zusammenstoß zwischen zwei Jets der Bundeswehr in Mecklenburg-Vorpommern hat CDU-Verteidigungsexperte Henning Otte die Luftkampfübungen verteidigt. „Die Bundeswehr muss dort üben, wo sie im Bedarfsfall auch verteidigt“, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk.

Er äußerte sein Unverständnis zur Forderung der Linken im Schweriner Landtag, die Luftkampfübungen zu beenden. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Oppositionsfraktion, Peter Ritter, hatte gesagt, dass die Übungen nicht nötig seien und eine Gefahr für Menschen sowie eine Belastung für die Umwelt darstellten.

Die Piloten hatten am Montagnachmittag ein Luftkampfmanöver geübt. „Das ist notwendig um fit zu sein für den Einsatz, auch um Verteidigung glaubhaft abzubbilden“, sagte Otte. Zur Unfallursache konnte der Politiker am Dienstagmorgen noch nichts sagen: „Das ist viel zu früh, das wären Spekulationen. Wir müssen jetzt die Untersuchungen des Generals für Flugsicherheit abwarten.“ Nach jetzigem Anschein sei es ein sehr tragisches Unglück.

Bürgermeister für Verzicht in Urlaubsregionen

Ganz anders sieht das der Bürgermeister von Waren an der Müritz, Norbert Möller (SPD). Er hat sich für einen Verzicht auf militärische Übungstiefflüge in Urlauberregionen ausgesprochen. „Viele Touristen haben kein Verständnis dafür, dass ausgerechnet rings um die Müritz solche Tiefflüge geübt werden“, sagte Möller am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Region um das Heilbad, zu der auch die vom Absturz betroffenen Dörfer gehören, gilt mit Hunderttausenden Gästen als touristisches Schwergewicht im Nordosten. „Man darf das gar nicht zu Ende denken, aber wir sind alle nochmal mit einem blauen Auge davongekommen“, erklärte Möller.

Sein Mitgefühl gelte den Familien der betroffenen Piloten, sagte der Bürgermeister. Ihm sei zwar klar, dass die Flieger irgendwo üben müssten. Man solle aber prüfen, ob gerade Tiefflüge über dem größten deutschen Binnensee und den umliegenden Gewässern abgehalten werden müssten. Auch die Bürgermeisterin von Silz und Nossentin, Almuth Köhler (CDU), wo eines der verunglückten Flugzeuge abstürzte, forderte eine Prüfung für Tiefflüge. „Unser Campingplatz und eine Ferienhaussiedlung am Fleesensee sind gerade voll besetzt.“

Die beiden Kampfjets der Bundeswehr waren über der Mecklenburgischen Seenplatte, einer beliebten Ferienregion, nahe der Kleinstadt Malchow zusammengeprallt. Das Dorf Nossentiner Hütte entging nur knapp einer Katastrophe. Eine Maschine stürzte unmittelbar neben dem Ortsrand auf eine Freifläche, die andere wenige Kilometer entfernt in ein Waldgebiet nahe Silz und Jabel. Ein Pilot wurde von Rettungsmannschaften lebend aus einem Baum geborgen, der zweite später tot gefunden.

(an/dpa)