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Straßburger Attentat: Bruder des Täters verurteilt

5.3.2019 7:42 Uhr

Malek Chekatt, der Bruder des Straßburger Attentats vom Dezember, wurde wegen Anschlagsdrohungen verurteilt. Zuvor hatte er Botschaften und Waffenfotos auf Facebook veröffentlicht. Knapp drei Monate nach dem Attentat seines Bruders verhängte das Gericht in der elsässischen Stadt am Montag eine sechsmonatige Gefängnisstrafe gegen ihn und setzte sechs weitere Monate Haft zur Bewährung aus.

Allerdings ordnete das Gericht keine sofortige Überstellung des 38-Jährigen in eine Haftanstalt an. Vermutlich wird Chekatt die Haftstrafe nicht antreten müssen. Das Gericht ordnete aber für die zweijährige Bewährungszeit an, dass Chekatt arbeitet und sich behandeln lässt.

Anschlagsdrohungen auf Facebook

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von einem Jahr Gefängnis. Der Vorsitzende Richter Philippe Schneider sagte, er wolle Chekatt "nicht dafür zahlen lassen, dass er der 'Bruder von' ist" - auch wenn der Verurteilte "die Tatsache genutzt hat, der 'Bruder von' zu sein, um Angst zu verbreiten".

Der ältere Bruder des Straßburg-Angreifers Cherif Chekatt war am vergangenen Freitag festgenommen worden. Der mehrfach vorbestrafte Mann hatte auf Facebook Nachrichten und ein Foto mit Waffen veröffentlicht, die als Anschlagsdrohung interpretiert wurden. Die Waffen waren allerdings nicht echt, wie sich später herausstellte.

Malek Chekatt: Ich habe eine "Dummheit" begangen

Die Staatsanwaltschaft erklärte, Chekatt habe Aufmerksamkeit auf sich und seine Probleme lenken wollen. Der 38-Jährige ist seit dem von seinem Bruder verübten Anschlag arbeitslos und hat nach Angaben seines Anwalts vor Kurzem das Sorgerecht für seinen Sohn verloren. Der Angeklagte selbst sagte vor Gericht, er habe eine "Dummheit" begangen.

Sein jüngerer Bruder Cherif Chekatt hatte am 11. Dezember in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarkts auf Passanten geschossen und sie mit einem Messer angegriffen. Er tötete fünf Menschen. Nach einer zweitägigen Großfahndung wurde Chekatt von der Polizei erschossen. Er hatte vor seiner Tat der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Treue geschworen.

(sis/afp)