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Störrische Senioren: Türkei verhängt Ausgangssperre für Ü-65er

21.3.2020 19:43 Uhr

Man hat es mit Warnungen und Bitten versucht, doch die türkischen Senioren wollten während der Coronavirus-Krise einfach nicht zu Hause bleiben. Jetzt musste das Innenministerium drastischere Maßnahmen ergreifen, um eine Verbreitung des Coronavirus zu unterbinden – und hat Ausgangsbeschränkungen für Bürger über 65 Jahren und Chronisch-Erkrankte erlassen.

In einem Tweet am frühen Samstagabend verkündete das Innenministerium, dass für alle Bürger ab 65 Jahren sowie Personen mit Vorerkrankungen ab Samstag, den 21. März um Mitternacht Ausgangsbeschränkungen für öffentliche Plätze wie Parks, Gärten oder ähnliches gelten.

Drastische Maßnahmen

Seit dem ersten Auftauchen des Coronavirus in der Türkei vor knapp zwei Wochen wurden insbesondere ältere Mitbürger und Bürger mit chronischen Vorerkrankungen intensiv gewarnt. Sie sind die Hauptrisikogruppe - alle bisherigen neun Todesfälle in der Türkei waren nach offiziellen Aussagen Menschen über 65 oder Personen mit Vorerkrankungen – aber wollten sich nicht an die Empfehlung der Regierung halten, besser zuhause zu bleiben.

Im Gegenteil, in den letzten Tagen machte es fast den Eindruck, als würden ältere Türken nach dem Motto "Jetzt erst recht!" agieren – so sehr, dass die Gegenmaßnahmen fast schon skurrile Ausmaße annahmen.

"Bleibt zuhause!"

Um den Anreiz, das Haus zu verlassen zu mindern, hat beispielsweise der Bürgermeister von Ankara, Mansur Yavas, angekündigt, die Seniorentickets, mit denen Bürger ab 65 Jahren kostenlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren dürfen, kurzfristig auszusetzen.

Die Verwaltung des Istanbuler Distrikts Üsküdar griff sogar zu noch drastischeren Maßnahmen: Sie entfernten die Bänke von öffentlichen Plätzen, auf denen sich zahlreiche Senioren dicht an dicht tummelten.

Die Verzweiflung mit der Familie

Auch in den sozialen Medien wurde das Thema um die Senioren, die sich einfach nicht an die Isolations-Empfehlung halten wollen, kritisch und teils amüsiert beobachtet. Ein User des Kurznachrichtendienst Twitters postete Bilder seiner Großmutter, die er gefesselt und geknebelt vor den Fernseher drapierte – aber keine Sorge, das Ganze war natürlich ein gemeinsamer Spaß.

Die Verwaltung von Üsküdar ist derweil nicht nur vor Ort aktiv, sondern versucht, die Öffentlichkeit auch über Twitter zu sensibilisieren. Mit einem Bild eines Senioren, der plötzlich keinen Gehweg mehr vor seiner Haustür vorfindet. "Wir lieben euch sehr – aber zwingt uns nicht, euch das hier anzutun", lautet der augenzwinkernde Kommentar darunter.

Doch Spaß beiseite: Die Ausgangsbeschränkung für ältere Personen ist zu ihrem eigenen Schutz gedacht und sollte deshalb unbedingt befolgt werden – notfalls eben durch ein Ausgangsverbot.

(Berna Ehrhardt)

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