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Stimmen zum Literaturnobelpreisträger 2019

10.10.2019 19:16 Uhr

Seit seinen "Publikumsbeschimpfungen" ist der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Peter Handke eine umstrittene Person in der deutschsprachigen Literaturszene. Besonders umstritten war sein Reisebericht "Eine winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morarwa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien". Nun hat er den diesjährigen Nobelpreis erhalten. Hier ein paar Stimmen zu der Entscheidung aus Stockholm.

Denis Scheck ("Druckfrisch"): Der Literaturkritiker Denis Scheck hat die Vergabe der Nobelpreise an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke und die polnische Autorin Olga Tokarczuk begrüßt. Es sei ein großer Tag für die Literatur, sagte der Fernsehkritiker ("Druckfrisch") am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es sei eine sehr mutige Entscheidung. Die Auswahl - bei der zwei Europäer zum Zuge kamen - sei eine überfällige Rückkehr zu ästhetischen Kriterien.

"Die politische Korrektheit hat eine krachende Ohrfeige erhalten, eine Niederlage erlitten", sagte Scheck mit Blick auf Handke. Dieser sei einer der großen Provokateure - er beweise, dass man sich politisch total verlaufen könne und gleichzeitig Weltliteratur schreiben könne. Handke sei ein "würdiger Preisträger", so Scheck.

Als Einstieg in dessen Werk empfiehlt er "Wunschloses Unglück". Darin geht es um den Suizid von Handkes Mutter. Als Theaterstück sollte man sich seiner Meinung nach "Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten" nicht entgehen lassen.

Adolf Muschg (Schriftsteller, "Sutters Glück"): Der Schweizer Autor und Büchner-Preisträger Adolf Muschg begrüßt die Vergabe des Literaturnobelpreises 2019 an Peter Handke. Er rechne es dem Nobelpreiskomitee hoch an, dass Handkes Literatur gewürdigt und seine politische Haltung sowie die "gewisse Macho-Komponente" in den Hintergrund gerückt wurden, sagte Muschg dem Schweizer Radio SRF1. Das Zeichen, welches die Juroren damit setzten, habe ihn sehr gefreut.

Elfriede Jelinek (Literaturnobelpreisträgerin 2004, "Die Klavierspielerin"): Der Schweizer Autor und Büchner-Preisträger Adolf Muschg begrüßt die Vergabe des Literaturnobelpreises 2019 an Peter Handke. Er rechne es dem Nobelpreiskomitee hoch an, dass Handkes Literatur gewürdigt und seine politische Haltung sowie die "gewisse Macho-Komponente" in den Hintergrund gerückt wurden, sagte Muschg dem Schweizer Radio SRF1. Das Zeichen, welches die Juroren damit setzten, habe ihn sehr gefreut.

Alexander Van der Bellen (Bundespräsident von Österreich): Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat sich sehr erfreut über die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an Peter Handke gezeigt. "Mit Peter #Handke hat ein Autor den #Nobelpreis gewonnen, dessen leise & eindringliche Stimme seit Jahrzehnten, Welten, Orte & Menschen entwirft, die faszinierender nicht sein könnten", schrieb Van der Bellen am Donnerstag bei Twitter. Handke leuchte in seinen Werken die "Zwischenräume des Daseins" aus und werfe einen behutsamen Blick auf das Fühlen und Denken seiner Figuren. "In einem Ton, der schnörkellos und doch einzigartig ist, lässt er uns, die Leserinnen und Leser, an seiner Welt und Sprache teilhaben", so Van der Bellen. "Wir haben Peter #Handke viel zu verdanken. Ich hoffe, er weiß das."

Gallimard (französischer Verlag von Peter Handke): Der französische Verlag Gallimard hat auf die Vergabe des Literatur-Nobelpreises an den österreichischen Schriftsteller Peter Handke mit großer Begeisterung reagiert. "Wir freuen uns sehr für ihn", sagte eine Sprecherin am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Aber man freue sich auch für den Verlag. Der Pariser Verlag hat mehr als zehn Bücher von Handke veröffentlicht. Erst im Mai ist von dem 76-Jährigen die französische Übersetzung von "Kindergeschichte" erschienen. Der Schriftsteller lebt in der Nähe von Paris.

Suhrkamp (deutscher Verlag von Peter Handke): Der Chef des Berliner Suhrkamp-Verlages, Jonathan Landgrebe, hat den Literaturnobelpreis für seinen Autor Peter Handke als einen «großen Moment für alle, die lesen» bezeichnet. «Peter Handke bricht beständig auf zu Abenteuern gleich um die Ecke wie zu Erlebnissen rund um den Globus», sagte Landgrebe am Donnerstag in Berlin nach der Bekanntgabe der Entscheidung der Nobelpreis-Jury in Stockholm. «Diese Art des Schreibens verlangt eine eigenständige, radikal moderne Poetik», sagte der Verleger. Handkes Aufmerksamkeit richte sich «auf die am Rande liegenden Dinge und gilt zugleich den großen narrativen Formen».

Zudem habe es sich Handke zum Grundsatz gemacht, ein literarisches Verfahren nur ein einziges Mal anzuwenden. Damit entwickle sich der Autor «zum Erfinder immer neuer Weltmodelle». Handke schaffe in seinem Facettenreichtum ein wirklich nie dagewesenes Oeuvre. Jedes Buch sei eine Überraschung. Landgrebe sagte, Handke sei ein «traditionell revolutionärer Weltliterat».

(an/dpa)

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