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Sterne mit Asteoriden vermessen

22.4.2019 8:49 Uhr

Ein internationales Forscherteam hat eine neue Methode vorgestellt, mit der sich die Größe ferner Sterne präziser feststellen lässt: das "VERITAS"-Verfahren (Very Energetic Radiation Imaging System). Bei diesem Verfahren fangen spezielle Teleskope selbst feinste Schatten ein, die durch an weit entfernten Sternen vorbeiwandernde Asteroiden entstehen.

Das internationale Forscherteam stellt die Methode im Fachblatt "Nature Astronomy" vor. Mit dem VERITAS-Verfahren haben die Wissenschaftler unter anderem die Größe eines 2674 Lichtjahre entfernten Riesensterns bestimmt.

Lichtmuster wie Wasserwellen

"Die extrem schwachen Schatten von Asteroiden ziehen jeden Tag über uns hinweg", erläuterte Tarek Hassan vom Deutschen Elektronen-Sychrotron (Desy), der an der Studie beteiligt war. "Dabei ist der Rand des Schattens jedoch nicht scharf." Stattdessen sei er umgeben von Lichtmustern, die Wasserwellen ähneln. Die Form dieses Beugungsmusters erlaube Rückschlüsse auf die Ausdehnung der Lichtquelle - und letztlich auf die Größe des Sterns.

Um den Effekt auch bei sehr weit entfernten - und von der Erde aus besonders klein erscheinenden Sternen - nutzen zu können, kommen bei der VERITAS-Methode Tscherenkow-Teleskope zum Einsatz. Die Beobachtung von Sternbedeckungen durch Asteroiden mit Tscherenkow-Teleskopen liefere eine zehnmal bessere Auflösung als die Standardmethode bei Sternbedeckungen durch den Mond, sagte Michael Daniel vom Smithsonian Astrophysical Observatory (SAO).

Selbst Sterne mit besonders kleinen Winkeldurchmessern messbar

Am Fred-Lawrence-Whipple-Observatorium im US-Bundesstaat Arizona sei es nun gelungen, das Beugungsmuster von Sternen mit besonders kleinen Winkeldurchmessern zu messen. Der Winkeldurchmesser ist die von der Erde aus wahrgenommene, scheinbare Größe. Die Forscher stellten mit der Methode unter anderem fest, dass der Durchmesser des Sterns TYC 5517-227-1 etwa elfmal so groß ist wie der unserer Sonne. Er zählt damit zu den Roten Riesen.

Außerdem bestimmten sie den Winkeldurchmesser von TYC 278-748-1, der im Mai 2018 vorübergehend vom 88 Kilometer großen Asteroiden Penelope bedeckt gewesen sei. Die Auswertung habe einen Winkeldurchmesser von 0,094 tausendstel Bogensekunden geliefert, was bei einer Entfernung von 700 Lichtjahren dem 2,17-fachen Sonnendurchmesser entspreche. "Dies ist der kleinste Winkeldurchmesser eines Sterns, der je gemessen worden ist", betonte Daniel.

(be/dpa)