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Steinmeier appelliert an Hilfsbereitschaft

3.4.2020 15:39 Uhr

Die Milliardenhilfen für Unternehmen in Deutschland ist angelaufen - doch helfen lässt sich auch im Kleinen. Darauf hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner neuen Videobotschaft aufmerksam gemacht. Man könne seinen Lieblingsläden, die derzeit geschlossen bleiben müssen, Gutscheine abkaufen, oder in den Lieblingsrestaurants Essen zum Mitnehmen bestellen.

Bei der Entwicklung der Pandemie gibt es in Deutschland keine Entwarnung. Im Vergleich zum Mittwoch ist die Zahl der Infizierten um fast 7000 gestiegen.

Bundespräsident ruft zur Hilfsbereitschaft auf

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bürger in der Corona-Krise zur Hilfsbereitschaft im Alltag aufgerufen. «Zeigen wir einander doch das Beste in uns - zeigen wir Mitmenschlichkeit, zeigen wir Solidarität», sagte er am Donnerstag in einer Videobotschaft. «Wenn wir das miteinander schaffen, dann zerfällt unsere Gesellschaft nicht in dieser Krise, sondern im Gegenteil: Dann wächst sie enger zusammen.» Jeder und jede könne helfen. Dies könne ein Einkauf für ältere Nachbarn oder ein Anruf bei der Familie sein. «Wir können auch unseren Lieblingsläden, die derzeit geschlossen bleiben müssen, Gutscheine abkaufen oder in unseren Lieblingsrestaurants Essen zum Mitnehmen bestellen.»

Fast 7.000 neue Infektionen in Deutschland

In Deutschland sind bis Donnerstagvormittag mehr als 73 900 Infektionen (Vortag Stand 10.15 Uhr: mehr als 67 100) mit dem neuen Coronavirus registriert worden. Das geht aus einer Auswertung der Deutschen Presse-Agentur hervor, die die neuesten Zahlen der Bundesländer berücksichtigt. Mindestens 879 (Vortag Stand 10.15 Uhr: 701) mit Sars-CoV-2 Infizierte sind den Angaben zufolge bislang bundesweit gestorben. Besonders hohe Zahlen haben Nordrhein-Westfalen mit mehr als 17 200 Fällen und mindestens 197 Toten und Bayern mit mehr als 17 100 nachgewiesenen Fällen und mindestens 241 Toten.

Auszahlung von Corona-Sofort

Nach dem großen Ansturm auf Corona-Soforthilfen für die Wirtschaft kommt die Auszahlung langsam in Gang. Bis Dienstagabend wurden allein in elf Bundesländern mehr als 374 000 Anträge bewilligt, wie eine Länderumfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Rund 1,3 Milliarden Euro flossen demnach bereits an in Existenznot geratene Unternehmen. In dreizehn Bundesländern summierte sich die Anzahl der eingegangenen Anträge auf mehr als 929 000. Nach ersten Meldungen aus den Ländern zeichnete sich ab, dass besonders Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern sowie Solo-Selbstständige und Freiberufler die Hilfen in Anspruch nehmen.

Bundeswehr mit 15.000 Soldaten zur Amtshilfe bereit

Zur Bewältigung der Corona-Krise hält die Bundeswehr von diesem Freitag an 15 000 Soldaten bereit zur Unterstützung von Ländern und Kommunen. Die Männer und Frauen seien dann unterschiedlich schnell - beispielsweise binnen 12 bis 72 Stunden - abmarschbereit, sagte ein Sprecher. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte die Truppe auf einen langen Kriseneinsatz eingestellt. Auch der Bundeswehr bereitet nach ihren Worten die Knappheit von Schutzausrüstung Probleme. Man habe Vorräte für eine gewisse kurze Zeit, leide aber wie alle im Moment am Mangel etwa an Schutzmasken, sagte Kramp-Karrenbauer am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin.

Bundesregierung für Gutscheinlösungen

Die Bundesregierung will bei abgesagten Reisen und Veranstaltungen in den Bereichen Kultur, Sport und Freizeit eine Gutscheinlösung für Kunden - statt einer sofortigen Rückzahlpflicht. Einer solchen Regelung hat das «Corona»-Kabinett am Donnerstag zugestimmt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Die Gutscheine sollen befristet sein bis Ende 2021. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief die Bürger dazu auf, das Geld für gekaufte Eintrittskarten nicht zurückfordern. «Denn viele Kulturschaffende, deren Kunst uns gerade jetzt so viel bedeutet, sind gerade jetzt in ihrer Existenz bedroht», sagte er.

EU-Kommission räumt Fehler im Corona-Krisenmanagment ein

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat in der Corona-Krise Fehler der Europäischen Union etwa im Umgang mit dem besonders betroffenen Land Italien eingeräumt. Zu viele hätten in den ersten Tagen der Krise nur an die eigenen Probleme gedacht, schrieb sie in einem Beitrag für die Zeitung «La Repubblica». «Es war ein schädliches Verhalten, das hätte vermieden werden können.» Inzwischen habe Europa aber das Tempo geändert. Von der Leyen versprach Hilfen in Milliardenhöhe für Kurzarbeiter.

Corona-Krise stoppt Dividendenboom

Die Corona-Krise macht Aktionären zu schaffen und beendet den Dividenden-Boom nach fünf Rekordjahren in Folge. Im besten Fall werden die 160 Firmen der Börsenindizes Dax, MDax und SDax für 2019 einer Studie zufolge in der Summe gut 44 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner überweisen: Das sind rund 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Mehr als ein Viertel der Unternehmen plant nach Stand 31. März gar keine Ausschüttung.

Kritik aus Frankreich an den USA wegen Schutzmasken

Französische Politiker werfen den USA vor, für Frankreich bestimmte Lieferungen von Schutzmasken in China wegzukaufen. Renaud Muselier, der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, sagte dem Fernsehsender BFMTV, dass für Frankreich bestimmte Maskenlieferungen von einem anderen Land auf dem Rollfeld chinesischer Flughäfen gekauft worden seien. Auf Nachfrage bestätigte er, dass es sich dabei um die USA gehandelt habe. Museliers Angaben zufolge wurde der dreifache Preis für die Sendung bezahlt, die Masken seien nun weg. Frankreich hatte zuletzt eine Milliarde Masken bestellt - unter anderem aus China.

Videokonferenz-Dienst Zoom schließt Sicherheitslücken

Der Videokonferenz-Dienst Zoom, dessen Nutzung in der Corona-Krise sprunghaft angestiegen ist, hat mehrere von Fachleuten aufgedeckte Sicherheitslücken gestopft. Das schrieb Firmenchef Eric Yuan in einem Blogeintrag. Zudem entfernte Zoom demnach die Funktion, die es dem Organisator einer Videokonferenz erlaubte, zu kontrollieren, welche Teilnehmer die App im Vordergrund haben und welche sich mit anderen Dingen beschäftigen. Zoom wurde für den Einsatz in Unternehmen entwickelt. In der aktuellen Krise sprangen aber auch Schulen, Kirchen und Verbraucher in großem Stil auf den Dienst auf.

Sechs Monate Haft für Anhusten eines Polizisten in London

Ein Brite, der in London absichtlich einen Polizisten angehustet und angegeben hat, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, muss für ein halbes Jahr ins Gefängnis. Der Polizist hatte den 55-Jährigen auf seiner Patrouille mit dem Fahrrad gestellt. Der Mann wollte offensichtlich ein Auto stehlen. Der Verdächtige wehrte sich und rief dem Polizisten laut einer Mitteilung von Scotland Yard zu: «Ich habe Covid und ich werde dir ins Gesicht husten und du wirst es auch bekommen.»

(an/dpa)

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