Imago/Revierfoto

Statistik macht Mut: Schalke glaubt fest an Derbysieg

7.12.2018 12:02 Uhr

Das Stadion ist natürlich wieder ausverkauft, die Fans beider Teams können den Anpfiff am Samstag um 15.30 Uhr kaum erwarten: Vor dem Revierderby zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund knistert es wieder einmal gewaltig.

Dabei ist die Rollenverteilung - zumindest auf dem Papier - diesmal eindeutig. 19 Punkte liegen die Königsblauen hinter dem souverän an der Tabellenspitze rangierenden Erzrivalen - das sind Welten. Eine klare Sache also für den BVB?

"Im Derby ist alles möglich"

Mitnichten! Vor allem ein Blick in die Statistik macht Schalke Mut. Von den bisherigen 92 Bundesliga-Duellen gewann die besser platzierte Mannschaft nur 41. In 50 Spielen holte das tabellarisch schwächer platzierte Team mindestens einen Punkt. Zudem hat der BVB im November 2015 seinen letzten Derbysieg gefeiert. In der vergangenen Saison gab es im Hinspiel in Dortmund ein legendäres 4:4 (nach 4:0-Führung für die Borussia), im Rückspiel unterlag der BVB in Gelsenkirchen 0:2.

Schalke-Trainer Domenico Tedesco sieht sein Team daher auch nicht in der Außenseiterrolle. "Vor dem Derby würde ich nicht von einem Favoriten sprechen. Im Derby ist immer alles möglich, und dafür müssen wir sorgen", sagte der 33-Jährige im Interview mit Zeitungen der Funke Mediengruppe

Ähnlich äußerte sich Schalke-Manager Christian Heidel. "Die Tabelle spielt in so einem Spiel keine Rolle. Von dem großen Punkteabstand lassen wir uns in keiner Weise beeindrucken. Wir haben eines vor - ihnen die erste Niederlage beizubringen", betonte er.

Sturm nur ein laues Lüftchen

Mit einem Heimsieg könnte der schwächelnde Vizemeister eine bisher enttäuschende Saison in andere Bahnen lenken. Zudem brennen die Schalker darauf, den enteilten Spitzenreiter auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. "Der BVB hat noch kein Spiel verloren. Es wird also Zeit", sagte Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf.

Rückenwind holte sich der Tabellenzwölfte am Freitag noch einmal beim öffentlichen Training vor den eigenen Fans. Dabei grübelte Tedesco über seine Offensivformation. In Breel Embolo, Mark Uth und Franco Di Santo fallen drei Angreifer definitiv aus.

Ohnehin ist der Schalker Sturm nur ein laues Lüftchen. Mickrige 14 Tore in 13 Spielen haben die Königsblauen bisher zustande gebracht. BVB-Kapitän Reus erzielte hingegen schon neun Treffer selbst und bereitete sechs weitere vor. Dadurch hat er sich beim kommenden Gegner den größten Respekt aller Dortmunder Spieler verschafft. "Wenn er gut drauf ist, dann ist Dortmund auch ganz anders drauf", sagte Tedesco.

Das Ziel heißt Herbstmeisterschaft

Doch nicht nur Reus hat vor dem Ruhrpott-Klassiker eine breite Brust. Mit 19 Punkten Vorsprung auf den Rivalen ist noch keine der beiden Mannschaften in ein Derby in der Hinrunde gegangen. Nach dem Spiel sollen es sogar 22 sein. "Wir wollen das Spiel bestmöglich gestalten, gewinnen und unsere weiße Weste verteidigen", sagte Sportdirektor Michael Zorc. In diesem Fall könnte sich der BVB mit Schützenhilfe der Konkurrenz sogar schon vorzeitig die Herbstmeisterschaft sichern.

Von Überheblichkeit ist beim achtmaligen deutschen Meister aber nichts zu spüren. "Es wird ein sehr schweres Spiel. Das ist klar. Es ist speziell", sagte Trainer Lucien Favre vor seiner Revierderby-Premiere.

Von Überheblichkeit keine Spur

Weil Dortmund schon seit drei Jahren auf einen Sieg gegen Schalke wartet, geben sich die Spieler des Spitzenreiters entsprechend zurückhaltend. "Schalke könnte in der zweiten Liga spielen, dann wäre es auch ein schweres Spiel", sagte Thomas Delaney beim Fußball-Talk "19:09" der Ruhr Nachrichten vor "einem der größten Spiele in Europa".

Der Däne ist eines der Gesichter des Dortmunder Erfolgs. Auch Schalke warb im Sommer um den Ex-Bremer, stieg aus dem Poker dann aber aus. Nicht nur bei Delaney bewiesen die BVB-Verantwortlichen ein goldenes Händchen, während auf Schalke die Abgänge von Leon Goretzka und Max Meyer eine riesige Lücke hinterließen. Doch das alles zählt am Samstag nicht. "Das Derby gewinnt die Mannschaft", betonte Marcel Schmelzer, "die es mehr will.".

(bl/dpa/afp)