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Start der ITB - Türkeinachfrage beim Urlaub um 58 Prozent gestiegen

5.3.2019 13:55 Uhr

Der Start ins Sommergeschäft der Tourismusbranche verläuft im Jahr 2019 eher holperig. Das soll sich mit Start der Reisemesse ITB, die vom 06. März bis zum 10. März in Berlin stattfindet, ändern. Trotz des verhaltenen Anlaufs kann man allerdings jetzt schon einen klaren Gewinner ausmachen: Die Türkei. Das Land am Mittelmeer sticht mit eine Zuwachs von 58 Prozent bei den Buchungen im direkten Vergleich zu starken Vorjahr heraus.

Die Bundesbürger sind in Reiselaune. Doch von einem Traumstart der Tourismusbranche in das wichtige Sommergeschäft kann aktuell nicht die Rede sein - im Gegenteil. Ausgerechnet im Januar - dem wichtigsten Buchungsmonat - gibt es einen herben Dämpfer mit einem Umsatzminus von neun Prozent im Vergleich zum starken Vorjahresmonat. Die Branche steht vor einem Rätsel, sieht aber zum Start der Reisemesse ITB in Berlin (6.3 - 10.3) keinen Anlass zur Sorge.

"Irgendetwas hält viele Kunden davon ab, jetzt ihren Sommerurlaub zu buchen. Die Konjunktur und die Arbeitsmarktlage können nicht der Grund sein. Es ist vermutlich die Wirkung des Rekordsommers 2018 in Deutschland", argumentiert René Herzog, Chef der DER Touristik Zentraleuropa.

Urlaub in der Türkei wird 2019 stark nachgefragt

Der Sommerurlaub in der Türkei wird auch im Jahr 2019 erneut im Fokus stehen. Schon jetzt steht fest, dass die Frühbuchungsumsätze rund 58 Prozent über dem bereits starken Vorjahr 2018 liegen. Die Türkei kann sich nach einer "Ruhephase" im Jahr 2017 Marktanteile im hart umkämpften Urlaubssegment zurückerobern. Nach der Krise 2016 hatte das Land am Mittelmeer Einbußen hinnehmen müssen. Die deutschen Urlauber präferierten Griechenland und Spanien statt der Türkei. Doch das ist "Schnee von gestern".

Besonders gefragt ist in diesem Sommer bislang vor allem die Türkei, Griechenland wird Veranstaltern zufolge ebenfalls gut gebucht. Spanien liegt bei einigen Reiseprofis aktuell noch unter den Erwartungen. Das nach wie vor beliebteste Auslandsreiseziel der Bundesbürger bekommt das Comeback von Ländern wie der Türkei, Ägypten und Tunesien zu spüren. Nach Anschlägen und politischen Krisen hatten manche Sonnenhungrige die Region gemieden. Reiseland Nummer eins ist Lohmann zufolge weiter Deutschland.

Insgesamt weisen die Reiseländer im östlichen Mittelmeer, dazu zählen neben der Türkei und Griechenland auch Ägypten, Bulgarien, Tunesien und Kroatien, zusammengenommen ein Umsatzwachstum in Höhe von neun Prozent auf. Gut ein Drittel aller bisherigen Urlaubsausgaben für Flugpauschalreisen im kommenden Sommer entfallen damit auf die Reiseländer im östlichen Mittelmeer.

2018 gaben Deutsche fast 100 Milliarden Euro für Urlaube aus

Den Verbrauchern sitzt dank einer historisch niedrigen Arbeitslosigkeit und gestiegener Einkommen eigentlich das Geld locker. Die Konsumlaune ist weiter hoch und Urlaubsreisen stehen traditionell weit oben in der Gunst der Bundesbürger. Die Branche erwartet angesichts abgeschwächter Konjunkturaussichten zwar ein anspruchsvolles Jahr, rechnet "aber dennoch mit einer leichten Steigerung im unteren einstelligen Prozentbereich", so der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig.

Im vergangenen Jahr gaben die Bundesbürger den Angaben zufolge 95,6 Milliarden Euro für Urlaubs- und Privattrips aus, gut fünf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. "2018 war für die Reisewirtschaft ein überaus erfolgreiches Jahr", bilanziert Fiebig. Vorab gebucht wurden bei den Reiseprofis dabei Leistungen im Rekordwert von 67,9 Milliarden Euro.

"Auch in diesem Jahr sind mehr Reisen und höhere Ausgaben geplant", sagte Tourismusexperte Martin Lohmann jüngst voraus. Gut 42 Prozent der Befragten einer Studie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) haben sowohl Lust als auch das notwendige Geld, um in Urlaub zu fahren. "Dieser Wert ist nach wie vor sehr hoch", erläutert Lohmann.

Der schwache Januar verhagelt der Branche allerdings die aktuelle Zwischenbilanz zu den Buchungen für diesen Sommer. Nach Daten der GfK-Konsumforscher verzeichnen klassische Reisebüros und der Online-Vertrieb seit November insgesamt einen Umsatzrückgang von zwei Prozent.

Starkes Vorjahresergebnis ein schweres Erbe für 2019

Anlass zur Sorge sei das aber nicht. "Wesentlicher Grund ist das extrem starke Vorjahresergebnis", erläutert GfK-Tourismusexpertin Alexandra Weigand. "Wir haben aktuell kein Nachfrageproblem. Der Februar dürfte besser werden." Februar und März zählen ebenfalls zu den traditionell starken Buchungsmonaten.

Der Veranstalter FTI verzeichnet seit Anfang Februar nach eigenen Angaben bereits eine sehr starke Nachfrage. "Das ist etwa drei Wochen später als im vergangenen Jahr", erläutert Ralph Schiller, Geschäftsführer bei der FTI-Group. Beim Branchenprimus TUI Deutschland liegen die Buchungen für den Sommer "auf dem hervorragenden Niveau des Vorjahres. Die Deutschen sind auch 2019 in Reiselaune", heißt es in Hannover.

Trotz der Unwägbarkeiten des Brexits stellen die meisten Veranstalter bislang keine Zurückhaltung der Kunden aus Deutschland bei den Buchungen ins Vereinigte Königreich fest. Das dürfte vor allem am schwachen Pfund liegen, das Trips für Reisende aus dem Euro-Raum tendenziell günstiger macht. "Die Kunden nutzen derzeit den günstigen Wechselkurs und profitieren von besseren Reisepreisen", heißt es beispielsweise bei TUI.

Die Branche sieht trotz des holprigen Jahresauftakts insgesamt also Chancen für ein gutes Reisejahr. "Noch läuft die Frühbucherphase mit ihren Angeboten und wir rechnen in den nächsten Wochen mit weiter anziehenden Buchungen", ist Fiebig zuversichtlich.

(ce/dpa)