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Stand Maduro kurz vor seiner Flucht aus Venezuela?

1.5.2019 14:36 Uhr

Die Lage in Venezuela ist und bleibt recht unübersichtlich. Das war nach US-Angabe auch für Nicolas Maduro ein zu hohes Risiko und der Staatschef beabsichtigte den Berichten nach, sich gen Kuba abzusetzen, um sich dort in Sicherheit zu bringen. Das hätte aber nach den Berichten Russland verhindert.

Im Machtkampf in Venezuela stand Staatschef Nicolas Maduro nach US-Angaben kurz davor, sich nach Kuba abzusetzen. US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Dienstag (Ortszeit), Maduro hätte das Land beinahe verlassen, sei aber von Russland gestoppt worden. Der selbsternannte Übergangspräsident Juan Guaido kündigte für Mittwoch derweil die größte Protestaktion in der Geschichte des Landes an, die Armee warnte vor einem Blutvergießen.

Pompeo sagte dem Sender CNN, Maduro habe sich bereits am Dienstagmorgen aus Venezuela absetzen und nach Kuba fliegen wollen. "Er hatte ein Flugzeug auf dem Flugfeld, er war bereit, heute Morgen abzureisen." Dann hätten "die Russen" Maduro aber aufgefordert, im Land zu bleiben. Maduro wies diese Angaben als "unseriös, unsinnig, verrückt, verlogen" zurück.

USA hofft auf Exil-Lösung für Maduro

Vor Wirtschaftsvertretern sagte Pompeo später am Dienstag, er hoffe, dass Maduro sich in den kommenden Tagen für das Exil entscheide. Er sei zuversichtlich, dass "die Möglichkeit für eine venezolanische Demokratie bestehen bleibt".

Die Lage in dem krisengeplagten Land hatte sich am Dienstag weiter zugespitzt, als Guaido erklärte, er habe Teile der Armee auf seiner Seite. "Heute sind mutige Soldaten, mutige Patrioten, mutige Männer, die die Verfassung unterstützen, unserem Aufruf gefolgt", sagte Guaido in einem Online-Video, das ihn mit uniformierten Männern vor der Militärbasis La Carlota in Caracas zeigt. Im Anschluss kam es in Caracas zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Auch in anderen Städten des südamerikanischen Landes gab es Krawalle. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen wurden dutzende Menschen verletzt, ein Mensch wurde demnach getötet. Die Lage war unübersichtlich - unklar war vor allem, wie viele Soldaten sich tatsächlich an die Seite Guaidos gestellt hatten. 25 Soldaten baten brasilianischen Medien zufolge in der Botschaft Brasiliens in Caracas um Asyl.

Guaido musste am Dienstagabend in einem Online-Video einräumen, dass er nicht die Mehrheit der Streitkräfte hinter sich bringen konnte. Er betonte aber, der Tag habe Risse in der Armee gezeigt. "Wir haben gezeigt, dass Soldaten bereit sind, die Verfassung zu verteidigen." Es handle sich um "den Anfang vom Ende" von Maduros Herrschaft, es gebe "kein Zurück mehr". US-Präsident Donald Trump twitterte, Washington stehe hinter dem venezolanischen Volk und dessen "Freiheit".

Machtkampf in Venezuela auf "Messers Schneide"

Maduros Regierung prangerte einen "Putschversuch" an. Der Linksnationalist sprach von einer "Niederlage der kleinen Gruppe", die in einem "Putsch-Scharmützel" Gewalt über Venezuela habe bringen wollen. Maduro kündigte zugleich strafrechtliche Konsequenzen wegen Rebellion an. Russland als einer der wichtigsten Unterstützer Maduros warf Guaido vor, "zum Konflikt anzustacheln". Die syrische Regierung verurteilte einen "gescheiterten Putschversuch".

Guaido rief die Streitkräfte derweil für Mittwoch auf, bei der "Operation Freiheit" zur Absetzung Maduros "voranzuschreiten". Auch rief der Oppositionsführer seine Anhänger zu erneuten landesweiten Protesten auf. Der Protest werde "der größte in der Geschichte Venezuelas". Maduro wollte unterdessen eine Kundgebung zum 1. Mai in Caracas anführen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres appellierte an alle Beteiligten, Gewalt zu vermeiden. Venezuelas Armeechef und Verteidigungsminister Vladimir Padrino warnte vor einem möglichen "Blutvergießen", für das er die Opposition verantwortlich machen würde. Die USA riefen das Militär auf, das Volk zu schützen. Maduro und Guaido liefern sich seit Monaten einen erbitterten Machtkampf in dem südamerikanischen Krisenstaat. Der Oppositionsführer wird inzwischen von mehr als 50 Staaten als Übergangspräsident anerkannt.

(ce/afp)